OeNB-Wage-Tracker
Tariflohnwachstum von unter 2,5% für 2026 zu erwarten
Aktuelle Trends des Tariflohnwachstums vom März 2026
05.03.2026
Bei Kollektivvertragsverhandlungen spielen zum einen sektorale Gegebenheiten, wie der finanzielle Erfolg der betroffenen Unternehmen eine Rolle. Zum anderen verfolgen Gewerkschaften gemäß der Benya-Formel das Ziel der Inflationsabgeltung und zusätzlich eine Steigerung der Löhne in Höhe der – mittelfristigen – gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität, die aber auf Grund der langen Konjunkturschwäche gering war. Bis zur Lohnrunde 2024/25 war klar, dass die Gewerkschaften das Ziel der Kaufkrafterhaltung in Form der Abgeltung der (rollierenden) VPI-Inflation verfolgten und weitgehend auch durchsetzen konnten.
In der laufenden Lohnrunde 2025/26 zeigt sich eine teilweise Abkehr von dieser Praxis. Schon bei der letzten Veröffentlichung des Wage-Trackers im Dezember 2025 wurde betont, dass es – insbesondere in den großen Sektoren des öffentlichen Diensts, der Handelsangestellten und der Metaller – zu niedrigeren Lohnabschlüssen gekommen ist. Diese lagen deutlich unter der rollierenden Inflation, welche im letzten Quartal des Vorjahres bei gut 3 % lag. (Im Fall der Metaller kam es zudem zu einem Zweijahres-Abschluss, bei dem die Lohnerhöhung im zweiten Jahr auch unter der prognostizierten maßgeblichen Inflation liegt.) Andere Sektoren hingegen (etwa die Stein- und keramische Industrie, die Eisenbahnen und die Telekom-Unternehmen) wiesen höhere Abschlüsse auf, die die Marke von 3 % erreichten oder überstiegen und damit über der maßgeblichen Inflation lagen.
Auch bei den Abschlüssen der letzten Wochen ist diese Zweiteilung von Abschlüssen zu beobachten, auf der einen Seite etwa in Höhe der rollierenden Inflation oder darüber und auf der anderen Seite deutlich unter der Inflationsrate. Relativ hohe Abschlüsse gab es etwa für die Arbeitnehmer:innen in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen (+3,5 %), für die Denkmal-, Fassaden und Gebäudereiniger:innen (+3,4 %), in der Mineralölindustrie (+3,2 %, zuzüglich einer Einmalzahlung in Höhe von EUR 400 oder einem zusätzlichen Freizeittag) und für die Angestellten bei Wirtschaftstreuhändern (+3,1 %). Deutlich niedriger fielen die Entgeltsteigerungen nach langen Verhandlungen bei den Handelsarbeiter:innen aus (+2,55 %; gleich wie bei den Handelsangestellten). Auch die Arbeitnehmer:innen bei den Arbeitskräfteüberlassungen mussten sich mit +2,3 % Lohnsteigerung begnügen. Geringe Abschlüsse gab es auch weiterhin im von hohem Konsolidierungsbedarf gekennzeichneten staatlichen Sektor (in einem weiteren Sinn): Die Gehaltssteigerung bei den Universitäten betrug +1,65 %, bei den Sozialversicherungen 2 % und in der Sozialwirtschaft +2,6 %.
Die Grafik zeigt, dass der Wage-Tracker im Jahr 2026 gegenüber dem Vorjahr weiter sinkt. Da mit Jahresbeginn die Mehrheit der KV-Abschlüsse in Kraft tritt, weist der Tracker für das heurige Jahr schon eine hohe kollektivvertragliche Abdeckung auf. Sein Wert für das Gesamtjahr 2026 liegt derzeit bei 2,2 %.