OeNB-Wage-Tracker
Deutlich niedrigere Mindestlohnsteigerungen als vor einem Jahr
Aktuelle Trends des Tariflohnwachstums vom Februar 2025
17.02.2025
Hohe Zahl von Kollektivvertragsabschlüssen um den Jahreswechsel
Seit der letzten Veröffentlichung des Wage Trackers am 17.12.2024 hat es eine große Zahl von neuen KV-Abschlüssen gegeben. Das liegt daran, dass zu Jahresbeginn bei mehr als der Hälfte aller Kollektivverträge, die dort festgelegten Mindestlöhne und -gehälter angepasst werden.
Wie erwartet, setzt sich der Trend zu niedrigeren Nominallohnsteigerungen im Zuge des Sinkens der für Kollektivverträge maßgeblichen „rollierenden Inflation“ fort. (Bei diesem am Beginn von KV-Verhandlungen festgestellten Inflationsmaß handelt es sich um den Durchschnitt der Inflationsraten in den vergangenen zwölf Monaten.) Während die Median-Steigerung der im Jänner 2024 von der OeNB erfassten Kollektivverträge im Jänner 2024 noch bei 8,7 % lag, betrug dieser Wert im Jänner dieses Jahres 3,3 %.
Zu den wichtigsten Abschlüssen der vergangenen Wochen zählen diejenigen für die Handelsarbeiter:innen (+ 3,3 %), die Angestellten der Sozialversicherungen (+3,5 %), die Großbäckereien (+3,2 %), die Elektrizitätsversorgungsunternehmen (+3,4 %), die Universitäten (+3,8 %), die Mineralölindustrie (+3,4 %) und die Raiffeisen Ware Austria (+3,3 %).
Bei den Handelsarbeiter:innen, bei Raiffeisen Ware und in einigen weiteren kleinen Sektoren kam es zu Zweijahresabschlüssen. Damit setzt sich ein Trend fort, der in der Kollektivvertragsrunde 2023/2024 begonnen hat. Im Falle der Arbeiter:innen im Handel wurde vereinbart, dass sich die Löhne im Jänner 2026 im Ausmaß der rollierenden Inflation von Oktober 2024 bis September 2026, zuzüglich 0,6 Prozentpunkte erhöhen. Für den Fall allerdings, dass die maßgebliche Inflation den Wert von 2,3 % übersteigt, soll es Neuverhandlungen geben. Nach der aktuellen Inflationsprognose der OeNB vom Dezember 2024 läge die rollierende Inflation genau bei diesem Wert. Angesichts der jüngsten Energiepreisanstiege besteht jedoch ein Aufwärtsrisiko für die Prognose und es könnte tatsächlich zu Neuverhandlungen kommen.
Die nachstehende Grafik zeigt den Verlauf des OeNB Wage Trackers, des Tariflohnindex, die rollierende Inflation und den kollektivvertraglichen Abdeckungsgrad des Wage Trackers. Der Wage Tracker (rote Linie) zeigt einen deutlichen Rückgang des im Jahresabstand gemessenen Tariflohnwachstums an. Derzeit beträgt der Durchschnitt der Werte des Wage Trackers für 2025 +4,0 %, was nur unwesentlich unter dem Wert bei der letzten Veröffentlichung liegt (+ 4,2 %). Aus jetziger Sicht wird, weil bis zum Sommer (bzw. später in der Herbstlohnrunde) noch weitere Abschlüsse folgen, die vermutlich geringere KV-Steigerungen aufweisen, das tatsächliche Tariflohnwachstum für 2025 etwas niedriger ausfallen.