Innovative Concepts for the Digital Euro: A Lead User Study

Zusammenfassung

Im vorliegenden Projekt wurden mit Hilfe eines Lead-User-Light-Ansatzes konkret die künftigen Bedürfnisse der Verbraucher:innen im Hinblick auf den digitalen Euro sowie innovative Umsetzungsmöglichkeiten untersucht. Im Rahmen von vier Projektphasen wurden zunächst Lead-User:innen und Lead-Expert:innen identifiziert. Unter Lead-User:innen bzw. -Expert:innen versteht man fortschrittliche Nutzer:innen mit besonders hoher Expertise auf ihrem Fachgebiet, die im Idealfall in ihren jeweiligen Bereichen mit der Ausarbeitung neuer Lösungen befasst sind. Am Ende des Projekts sollten vorallem im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit Expert:innen der Oesterreichischen Nationalbank und durch die Schaffung eines kreativen Raums und einer offener Atmosphäre innovative Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten für den digitalen Euro entwickelt werden.

In Phase I führte das Projektteam Primär- und Literaturrecherchen durch, um das Forschungsgebiet abzugrenzen. In Phase II wurden systematisch die Bedeutung und die potenziellen Auswirkungen verschiedener Trends auf den digitalen Euro erarbeitet. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Interviews geführt, im Rahmen derer umfassende Erkenntnisse über die identifizierten Trends zusammengetragen wurden. Die Interviews waren ein Schlüsselfaktor bei der Evaluierung der Bedeutung und der Robustheit der Trends. Als Gesprächspartner:innen standen Expert:innen und User:innen aus den verschiedensten Bereichen zur Verfügung. Mit Hilfe der aus den 163 Interviews gewonnenen Erkenntnisse konnten die für das Projekt relevantesten drei Trends im Zusammenhang mit dem digitalen Euro ausgemacht werden, die als Grundlage für die Arbeiten in den darauffolgenden Projektphasen herangezogen wurden:

  1. Bedenken hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre
  2. Universelle Übertragbarkeit
  3. Integration in den Alltag

Der erste Trend – Bedenken hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre – ergibt sich aus häufig geäußerten Zweifeln potenzieller User:innen im Hinblick auf den Umgang der Notenbank mit den bei jeder Transaktion generierten Daten. Die spezifischen Befürchtungen der User:innen müssen eingehend untersucht werden, da nur so eine angemessene Lösung erreicht werden kann. Eine solche wird ein Schlüsselfaktor für die breite Akzeptanz des digitalen Euro sein. Der zweite Trend – universelle Übertragbarkeit – betrifft die Umsetzung der für den digitalen Euro vorgesehenen digitalen Zahlungslösung. Damit der digitale Euro seinen Zweck erfüllen kann, muss er dieselben Funktionalitäten wie Bargeld aufweisen. Dazu gehören u. a. universelle Übertragbarkeit und die Möglichkeit der Offline-Verwendung. Der digitale Euro sollte also unabhängig von Ort und Zeit einfach an andere Personen oder Stellen überwiesen bzw. übertragen werden können, ohne dass zusätzliche Infrastruktur benötigt wird. Beispielsweise sollte es möglich sein, dass man digitale Euro auch bei einer Begegnung auf der Straße austauschen kann. Die Entwicklung einer innovativen Lösung auf diesem Gebiet ist eine Herausforderung und war daher eines der wichtigsten Themen bei der Podiumsdiskussion. Beim dritten Trend geht es darum, durch die Entwicklung einer benutzerfreundlichen Schnittstelle mit Multifunktionalität den digitalen Euro möglichst gut in den Alltag der Nutzer:innen zu integrieren. Diese Schnittstelle soll nicht nur benutzerfreundlich sein, sondern auch die Verwendbarkeit und Vielseitigkeit des digitalen Euro verbessern.

Projektphase III war der Identifizierung der Lead-User:innen und -Expert:innen für die drei Haupttrends gewidmet. Hier kamen verschiedene Methoden zum Einsatz, etwa die Pyramiden-Methode, Inhaltsanalyse und Broadcasting. Auf Grundlage einer systematischen Analyse wurde mit Hilfe der Lead User Evaluation Matrix die für die Teilnahme an der Podiumsdiskussion am besten geeigneten Personen ausgewählt. In diesem Setting galt es in Phase IV, gemeinsam mit Expert:innen Lösungen und Umsetzungsmöglichkeiten für den digitalen Euro zu entwickeln. Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes würden sich etwa durch Zero-Knowledge-Proofs reduzieren lassen, so eine der wichtigsten Erkenntnisse aus diesem Prozess. Darüber hinaus wird es essenziell sein, die Akzeptanz des Euro mittels Anreizstrategien zu fördern. Dafür könnten Gamification-Methoden und materielle Anreize für Erstanwender:innen eingesetzt werden.