Logistik

Von der Banknotenproduktion bis zur Ausgabe am Bankomaten – dieser Bereich widmet sich der Bargeldlogistik und jenen Akteurinnen und Akteuren, die dafür Sorge tragen, dass die Versorgung der Bevölkerung mit Bargeld gewährleistet ist.

Produktion

  • Im April 2001 beschloss der EZB-Rat, dass die Herstellung von Euro-Banknoten nach der ersten Euro-Bargeldumstellung in einem dezentralisierten Pooling-System erfolgen sollte. Deshalb wurde jeder nationalen Zentralbank (NZB) des Euro-Währungsgebiets seit dem Jahr 2002 eine Quote der gesamten Jahresproduktion an Euro-Banknoten zugeteilt, wobei die einzelnen NZBen für bestimmte Stückelungen zuständig sind. Die jeweilige Bank trägt die Herstellungskosten für die ihr zugewiesene Quote.

    Die zugewiesene Quote für Österreich wird von der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH (OeBS) gedruckt. Die OeBS beschäftigt sich vorrangig mit der Herstellung von Banknoten. Die Verwendung innovativer Sicherheitsmerkmale in perfekter Kombination mit modernstem Design zählen dabei zu den Stärken des Unternehmens.

    Die professionelle Beherrschung von Mechanik, Mikroelektronik und Software, die Entwicklung und Wartung komplexer Prüfanlagen und Steuerungen sowie ein konsequentes Qualitätsmanagement sind Garant für Sicherheit, Vertrauen und Qualität.

    Die jährlichen Produktionsmengen und die jeweilige Zuteilung der Stückelungen auf die einzelnen NZBen werden auf der Website der Europäischen Zentralbank veröffentlicht.

    Im September 2002 beschloss der EZB-Rat, eine strategische Reserve für das Eurosystem (Eurosystem Strategic Stock, ESS) einzurichten. Diese Reserve soll in Ausnahmesituationen genutzt werden, d. h. wenn die logistischen Reserven des Eurosystems nicht ausreichen, um einen unerwarteten Anstieg der Nachfrage nach Banknoten abzudecken, oder wenn die Versorgung plötzlich unterbrochen wird.

    Die logistischen und strategischen Reserven stellen sicher, dass die nationalen Zentralbanken jederzeit Änderungen der Nachfrage nach Banknoten bewältigen können, unabhängig davon, ob die Nachfrage innerhalb oder außerhalb des Euroraums entsteht.

    Unter normalen Umständen decken die logistischen Reserven den Banknotenbedarf. Sie werden genutzt, um

    • nicht mehr umlauffähige Banknoten (d. h. Geldscheine von schlechter Qualität) zu ersetzen,
    • einen erwarteten Anstieg des Umlaufs auszugleichen,
    • saisonale Nachfrageschwankungen abzufedern und
    • den Banknotentransport zwischen den Zentralbankniederlassungen zu optimieren.

Distribution

  • Rechtlich gesehen sind sowohl die EZB als auch die nationalen Zentralbanken der Länder des Euroraums zur Ausgabe von Euro-Banknoten befugt. In der Praxis geben die nationalen Zentralbanken die Euro-Banknoten und -Münzen aus und ziehen sie aus dem Verkehr. Die EZB verfügt über keine Hauptkasse und betreibt keine Bargeldgeschäfte. Gesetzliche Emittenten der Euro-Münzen sind die Länder des Euro-Währungsgebiets. Auf Ebene des Euroraums koordiniert die Europäische Kommission alle die Euro-Münzen betreffenden Angelegenheiten.

    Die Aufgabe der EZB besteht in der Überwachung der Tätigkeit der nationalen Zentralbanken und der Förderung der weiteren Harmonisierung der Bargelddienstleistungen im Eurogebiet.

    Die NZBen sind für die Funktionsfähigkeit ihrer nationalen Geldverteilungssysteme verantwortlich. Sie bringen die Banknoten und Münzen über das Bankensystem und in geringerem Maße auch über den Einzelhandel in Umlauf.

  • Schematische-Darstellung-Bargeldlogistik
  • Der traditionelle Ansatz in der Bargeldlogistik beruht auf einem Kreislaufsystem. Wenn die Banknoten in einer Banknotendruckerei fertig gedruckt bzw. die Münzen in einer Prägeanstalt fertig geprägt sind, werden sie von der Zentralbank übernommen und an die Geschäftsbanken verteilt. In der Folge versorgen die Geschäftsbanken Unternehmen und private Haushalte mit Bargeld. Auch der Rückfluss des Geldes aus der Wirtschaft erfolgt über die Geschäftsbanken, die das gesammelte Bargeld an die Zentralbank zurückführen. Die Zentralbank bearbeitet das retournierte Geld, prüft die Umlauffähigkeit, scheidet nicht umlauffähige Banknoten und Münzen aus. Umlauffähige alte und frisch gedruckte Banknoten bzw. frisch geprägte Münzen werden den Geschäftsbanken wieder zur Verfügung gestellt.

    Dieser traditionelle Ansatz wurde jedoch vielfach in Frage gestellt. Kostensenkung und Effizienzsteigerung waren die Triebfedern, die neue Modelle entstehen ließen. In vielen Ländern zieht sich die Zentralbank aus dem Kreislauf zurück und überlässt die Bearbeitung und Aussortierung den Geschäftsbanken. Die NZBen sorgen nur noch für die Ausgabe druckfrischer Banknoten und prägefrischer Münzen.

    In Österreich wählte man einen besonderen Weg, der auf einem Public-Private-Partnership-Modell basiert. Diese Partnerschaft wurde durch die Gründung der Geldservice Austria (GSA) ermöglicht.

    Die GSA ist eine Organisation, in der die OeNB und die Geschäftsbanken Österreichs als Gesellschafterinnen zusammenarbeiten. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Bearbeitung von Banknoten und Münzen. Durch diese Spezialisierung einerseits und durch die Zusammenarbeit andererseits konnten Skaleneffekte in der Bargeldbearbeitung erzielt werden. Sowohl für die Geschäftsbanken als auch für die OeNB konnten dadurch Kosten eingespart werden. Durch die Kontrollfunktion der OeNB kann darüber hinaus die hohe Umlaufqualität der Banknoten gewährleistet werden, zu der man sich im Eurosystem im Sinn der Vertrauensbildung innerhalb der Bevölkerung verpflichtet hat.