Mittelalter

Die Krise des mittelalterlichen Münzwesens


Münzverrufung

Pfennig, Wien, Albrecht II.

Pfennig, Wien,
Albrecht II. (1330 bis 1358) 

Pfennig, Wien, Albrecht II.

Pfennig, Wien,
Albrecht II. (1330 bis 1358) 

Die Wiener Pfennige wiesen einen großen Bilderreichtum auf, da sie anfangs der periodischen, meist jährlichen, Münz­erneue­rung unterlagen und die Münzen unterscheidbar sein mussten. Die so genannte „Münzverrufung“ oder renovatio monetae diente der Steigerung des Münzertrags, der sich mit der Zunahme des Geldumlaufs zu einer lohnenden Einnahmequelle entwickelt hatte. Die umlaufenden Münzen wurden für ungültig erklärt und – unter Beibehaltung des Nennwerts – durch neue mit vermindertem Schrot (Rauh- und Gesamtgewicht einer Münze) und Korn (Gewicht des in der Münze enthaltenen Edelmetalls) ersetzt. Auf diese Weise lukrierte der Münzherr, neben dem Schlagschatz für die Produktion der Münze, eine Art indirekter Steuer.

Als die Praxis des Münzverrufs wegen sinkender Erträge und Klagen der Bevölkerung Mitte des 14. Jahrhunderts eingestellt wurde, kam es zur Schließung der Münzstätten Enns und Wiener Neustadt. Anstelle der fiskalisch immer weniger ergiebigen Münzerneuerung führte Herzog Rudolf IV. (1358 bis 1365) 1359 das „Ungeld“, eine 10-prozentige Steuer auf Getränke, ein. Das Münzregal verlor damit in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts für die Fiskalpolitik an Bedeutung. 



Münzverschlechterung: Instabilität des Geldwesens

Herzog Rudolf IV. (1358 bis 1365) hatte mit dem Verzicht auf die Münzerneuerung versucht einen „ewigen“ Pfennig zu schaffen. Eine Wertsicherung sollte auch die gleichzeitig verfügte Bindung des Münzfußes der neuen Pfennige an den Marktpreis des Silbers bewirken. Diese Regelung barg aber die Gefahr einer Destabilisierung des Geldwerts, denn der Feingehalt der Münzen musste bei jeder Preisschwankung neu bestimmt werden. Über längere Zeit unverändert blieben nun zwar die Münzbilder, die Münzen als solche verloren jedoch an Wert, da der Feingehalt wegen steigender Silberpreise immer weiter reduziert wurde. 

Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts strömten große Mengen minderwertiger Pfennige aus dem Ausland, vor allem bayerische Sorten, nach Österreich. Die extensive Nutzung des Münzregals durch die Münzherrn heizte die Währungsinflation zusätzlich an, der Pfennig verlor gegenüber dem Goldgulden rasch an Wert. Hatte man 1350 für einen Gulden 95 Pfennige berechnet, so stand der Kurs 1411 bereits auf 160, bis 1455 stieg er auf 240 (ein Zählpfund) an. 

Der rasche Verfall des Geldes äußerte sich auch im Erscheinungsbild der Münzen. Um Kosten zu senken, wurden die Pfennige zunächst nur mehr einseitig beprägt und später auch in ungereinigtem Zustand, als so genannte „Schwarzpfennige“, ausgegeben. 



Geldkrise: „Schinderlingszeit“

Pfennig, Wien, um 1462

Pfennig, Wien,
HT – Münzmeister Hans Teschler,
um 1462 

Alle Versuche, der fortschreitenden Geldentwertung gegenzusteuern, blieben erfolglos. Dem Greshamschen Gesetz entsprechend wurde das „gute Geld“, die silberreichen Weißpfennige, durch das „schlechte Geld“, die kupferhältigen Schwarzpfennige, verdrängt. 

Den Höhepunkt erreichte der Währungsverfall Mitte des 15. Jahrhunderts, als Kaiser Friedrich III. (1452 bis 1493) und sein Bruder Erzherzog Albrecht VI. im Streit um das Erbe der österreichischen Länder auf eine inflationäre Politik setzten. In Finanznot geraten, übertrugen sie das Münzrecht ihren Gläubigern, die massenhaft minderwertige Pfennige ausprägten. Die so genannten „Schinderlinge“ bestanden fast zur Gänze aus Kupfer. 

1460 erreichte der Goldgulden einen Kurs von über 3.600 Pfennigen, die kaiserlichen Münzmeister von Wiener Neustadt und Graz hatten sich ins Ausland abgesetzt, auch der Münzmeister Albrechts VI. war verschwunden. In dieser Situation entschloß sich Kaiser Friedrich III. auf Drängen der Stände, die Prägung von Schinderlingen einzustellen. Er beauftragte den wohlhabenden Wiener Bürger Niclas Teschler gemeinsam mit den Hausgenossen eine bessere Pfennigmünze auszuprägen. Der Münzfuß des neuen Pfennigs wurde zwar allgemein anerkannt, die Währungsverhältnisse gestalteten sich aber auch nach dem Tod Erzherzog Albrechts VI. (1463) und der Vereinigung der habsburgischen Erbländer weiterhin schwierig. 

Der Pfennig, bis zur „Schinderlingszeit“ Währungsmünze in Österreich, verlor diese Funktion nach 1460 und war nur mehr Scheidemünze. In der Münzordnung von 1481 setzte Friedrich III. den österreichischen Gulden offiziell als neue Währungsmünze fest.