Moderne

Gulden und Kronen


Österreichische Währung

1 Gulden ö. W., 1858

1 Gulden österreichische Währung, 1. Jänner 1858, Ausgabe 21. Dezember 1858 

1 Krone Vereinsmünze, 1858

1 Krone Vereinsmünze, 1858,
Wien,
Franz Joseph I. (1848 bis 1916) 

Münzrechenschieber

Münzrechenschieber, entwickelt für die Umrechnung von Gulden C.M. zu Gulden österreichischer Währung im Verhältnis 1:1,05 – Zeigte auch das Silberagio gegenüber dem Kupferkreuzer an und war zur besonderen Verwendung für k.u.k. Offiziere (Zahlmeister) gedacht. 

4 Gulden ö. W., 1875

4 Gulden ö. W., 1875, Kremnitz, Franz Joseph I. (1848 bis 1916), entsprach 10 Francs 

Die Wiederherstellung monetärer Stabilität nach den Ereignissen 1848/49 erwies sich aus mehreren Gründen als schwierig. Die Kosten für die Aufrechterhaltung der Großmachtstellung Österreichs im Krimkrieg (1855 bis 1856) und der Italienkrieg (1859) vereitelten eine Konsolidierung des Staatsbudgets, gleichzeitig beeinflusste die Entwicklung auf den internationalen Edelmetallmärkten die Geld- und Währungspolitik. Wegen des hohen Silberagios kam es zu einem großen Abfluss an europäischen Silbermünzen, vornehmlich nach Ostasien und Übersee. Zugleich legte die Erschließung großer Goldvorkommen in Kalifornien und Australien den Wechsel zur Goldwährung nahe.

 

Österreich entschloss sich für die Beibehaltung der Silberwährung und suchte Anschluss an den seit 1834 bestehenden Deutschen Zollverein. Die Zollvereinsstaaten hatten bereits 1837 mit dem Münchener Vertrag die Vereinheitlichung der Währungssysteme in Angriff genommen. Zwanzig Jahre später verzichtete Österreich im Wiener Münzvertrag von 1857 auf den Conventions-Münzfuß und passte seinen Gulden dem norddeutschen Taler an. Für die neue „Österreichische Währung“ galt der 45-Gulden-Fuß. Ein Gulden war nach dem für die Vereinswährung verbindlichen Dezimalsystem in 100 Kreuzer unterteilt und als Münzgewicht das Pfund zu 500 Gramm festgelegt.

 

Nach der Niederlage von Königgrätz gegen die Preußen 1866 trat Österreich 1867 wieder aus dem Münzverein aus und wandte sich stärker der 1865 von Frankreich, Belgien, der Schweiz und Italien gegründeten „Lateinischen Münzunion“ zu.

 

Die Ausprägung von Goldmünzen zu 8 und 4 Gulden, die 20 und 10 Francs entsprachen, war ein erster Schritt in Richtung Goldwährung. Der für 1870 geplante Übergang kam aber wegen der nach wie vor ungeordneten österreichischen Währungsverhältnisse nicht zustande.



Oesterreichisch-ungarische Bank

Die Regelungen der Münzverträge galten nicht für Papiergeld. Dieses war aber seit der Aufhebung der Einlösungspflicht der Banknoten in Silbermünze 1848 gesetzliches Zahlungsmittel. Neben dem silbernen Gulden „Österreichischer Währung“ existierte der „Papiergulden“ als eine Art zweite Währung, deren Wechselkurs zum Silbergeld ein Disagio aufwies. Bemühungen um eine Eliminierung des Silberagios, die einer Entwertung der Banknoten gleichkamen, blieben wegen des anhaltend hohen staatlichen Finanzbedarfs erfolglos. Anfang der 60er-Jahre war das Agio des Silbergeldes zum Papiergeld auf mehr als 40 Prozent angewachsen. In dieser Situation entschloss sich die Regierung 1862, durch ein neues Notenbankstatut – nach dem Finanzminister als „Plenersche Bankakte“ benannt- die Ausgabe von Papiergeld an die Höhe der Währungsreserven zu binden. Dadurch konnte das Silberagio zwar verringert werden, die Verknappung der Geldmenge drückte aber andererseits auf die Wirtschaft.

 

1867 erhielt Ungarn im „Ausgleich“ mit Österreich eine weitgehende staatliche Autonomie. Auf das Münzwesen hatte dies nur insofern Auswirkung, als man nun in Ungarn die lateinischen Münzlegenden durch ungarische ersetzen ließ. Die Währungen der beiden Reichshälften blieben davon unberührt. 1878 wurde die „Privilegirte oesterreichische National-Bank“ in die „Oesterreichisch-ungarische Bank“ umgewandelt. Die Banknoten der Doppelmonarchie trugen von da an deutsche und ungarische Aufschriften.


  • Aktie der Oesterreichisch-ungarischen Bank

    Aktie der Oesterreichisch-ungarischen Bank 

  • 1 Gulden, 1869, Kremnitz

    1 Gulden, 1869, Kremnitz, Franz Joseph I. (1848 bis 1916) mit ungarischer Aufschrift und ungarischem Wappen 

  • 1 Gulden, 1869, Wien

    1 Gulden, 1869, Wien, Franz Joseph I. (1848 bis 1916) mit lateinischer Aufschrift und österreichischem Wappen 


  • 100 Gulden ö. W., 1881 – Vorderseite ungarisch

    100 Gulden ö. W., Ausgabe 31. Oktober 1881, Vorderseite ungarisch 

  • 100 Gulden ö. W., 1881 – Vorderseite deutsch

    100 Gulden ö. W.,
    Ausgabe 31. Oktober 1881,
    Vorderseite deutsch 

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Kronenwährung

Wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des österreichischen Münz- und Währungswesens im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts hatten die Schwankungen der Gold-Silber-Relation. Der seit Mitte des Jahrhunderts anhaltende Wertverlust des Silbers gegenüber dem Gold wurde durch den Übergang Deutschlands und der skandinavischen Staaten zur Goldwährung Anfang der 70er-Jahre noch beschleunigt. In Österreich führte dies ab 1872 zu einer Verringerung des Agios des Silbergeldes gegenüber dem Papiergeld, bis es sich 1878 in ein – ständig wachsendes – Disagio verwandelte. Damit verlor das Silbergeld seine Eigenschaft als Währungsgrundlage. Das Papiergeld wurde zum Währungsträger, dem Silber kam nun die Rolle der metallischen Deckung der Banknoten zu. Die Bedeutung des Münzgeldes relativierte sich in dieser Zeit auch durch die rasche Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs.

 

Ende der 70er-Jahre des 19. Jahrhunderts waren fast alle europäischen Staaten und die USA auf Goldwährung übergegangen. In Österreich wurde die Beibehaltung der Silberwährung zu einer Quelle ständiger Verluste für die Wirtschaft. Erst 1892 erfolgte mit der Einführung der Kronenwährung die dringend notwendige Währungsreform. Der Gulden „Österreichischer Währung“ entsprach 2 Kronen, 1 Krone war in 100 Heller unterteilt. Banknoten lautend auf „Österreichische Währung“ behielten bis 1900 ihre Gültigkeit, erst dann wurde die Krone alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel.


  • Dankschreiben an Mecenseffy

    Dankschreiben an den Generalsekretär der Oesterreichisch-ungarischen Bank Emil von Mecenseffý mit Darstellung der Banknotenproduktion 

  • 1 Krone, 1892

    1 Krone, 1892, Wien, Franz Joseph I. (1848 bis 1916) 

  • 1 Heller, 1892

    1 Heller, 1892, Wien, Franz Joseph I. (1848 bis 1916) 


  • 20 Kronen, 1908

    20 Kronen, Ausgabe 22. Juni 1908 

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Erster Weltkrieg

Plakat 7. Kriegsanleihe 1917

Plakat zur 7. Kriegsanleihe 1917, Entwurf Alfred Roller (1864 bis 1935) 

7. Kriegsanleihe über 100 Kronen

7. österreichische Kriegsanleihe über 100 Kronen, grafische Gestaltung C. O. Czeschka, Wiener Werkstätte 

1 Krone – deutschösterreich

1 Krone, Aufdruck DEUTSCHÖSTERREICH 

Abgestempelte 50-Kronen-Noten

Abgestempelte 50-Kronen-Noten in der Druckerei der Oesterreichisch-ungarischen Bank, österreichische Geschäftsführung 

Mit dem Ersten Weltkrieg begann der Verfall der Kronenwährung. Die Finanzierung des Krieges erfolgte zum geringsten Teil durch Steuern. Der Großteil der Mittel wurde durch Kriegsanleihen, vor allem aber durch Verschuldung des Staates bei der Notenbank aufgebracht. Die Geldmenge stieg während des Krieges von 3,4 auf 42,6 Milliarden Kronen an. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im gleichen Zeitraum um etwa das Sechzehnfache. Das Ausmaß der Inflation war in Österreich höher als in anderen Krieg führenden Staaten. Die Gründe dafür lagen in der uneingeschränkten Zuhilfenahme der Notenpresse und dem Fehlen strenger Preisregelungen.

 

Nach dem Krieg befand sich die Republik Österreich, der „Rest“ der ehemaligen Monarchie, in einer währungspolitisch prekären Lage. Anfängliche Hoffnungen, die Krone könnte in einem gemeinsamen Währungsverband mit den Nachfolgestaaten gehalten werden, verflüchtigten sich rasch. Als Erste begannen im Jänner 1919 die Jugoslawen mit der Abstempelung der Banknoten der Oesterreichisch-ungarischen Bank, Ende Februar folgte die Tschechoslowakei. Österreich ließ ab 12. März 1919 die in seinem Gebiet umlaufenden Banknoten mit dem Aufdruck „DEUTSCHÖSTERREICH“ versehen.

 

Münzgeld war bereits während des Krieges knapp geworden. Zuerst verschwanden die Silber- und Goldmünzen aus dem Verkehr, dann auch die Scheidemünzen aus Kupfer und Nickel. An ihrer Stelle wurden Münzen aus Eisen produziert. Eine drastische, aus der Not geborene Form der Herstellung kleinerer Geldwerte war die Halbierung oder Viertelung von Kronenscheinen. Ende November 1918 hatte sich der Kleingeldmangel so zugespitzt, dass sogar das Finanzministerium öffentlichen Körperschaften und Institutionen die Empfehlung gab, in Eigenregie „Geldersatzzeichen“ auszugeben.



Hyperinflation und Währungsverfall

50.000 Kronen, 1922

50.000 Kronen, Ausgabe 28. Jänner 1922 

Kontainer mit 4 Mrd Kronen

Kontainer mit 4 Mrd Kronen, Banknotenpresse der Oesterreichisch-ungarischen Bank, österreichische Geschäftsführung 

100.000 Kronen, 1922

100.000 Kronen,
Ausgabe 2. August 1922 

Österreich gehörte mit Deutschland, Ungarn und anderen zu jenen Staaten, die ihre Währung nach dem Ersten Weltkrieg nicht stabilisieren konnten. Der Rückgang der Industrieproduktion und schlechte Ernten hatten zu einer weitgehenden Entgüterung der Wirtschaft geführt. Auf den Wirtschaftsraum der ehemaligen Monarchie ausgerichtet, kämpfte Österreich zudem mit strukturellen Problemen. Energie, Rohstoffe und Nahrungsmittel mussten importiert werden. Der Staatshaushalt war neben den Kriegsschulden durch neue, zusätzliche Ausgaben belastet. Neben dem aus der Monarchie übernommenen Beamtenapparat, den Eisenbahnen und der Arbeitslosenunterstützung erforderten die Lebensmittelsubventionen den größten Aufwand.

 

Pläne zur Tilgung der Kriegsschuld durch eine Vermögensabgabe scheiterten. Das wachsende Defizit wurde durch Direktkredite bei der Notenbank gedeckt. Der Geldumlauf stieg rasch an, Ende 1921 erreichte er rund 193 Milliarden Kronen. Mit der Geldentwertung verringerte sich zwar die Last der Kriegsschulden und der Beamtengehälter, gleichzeitig wuchs der Aufwand für Lebensmittelsubventionen. Diese machten im Budgetjahr 1919/20 ein Viertel der Staatsausgaben aus, 1920/21 verschlangen sie bereits knapp 60 Prozent der Gesamtausgaben.

 

Ab Sommer 1921 geriet die Geldentwertung außer Kontrolle. Hatte sie anfangs die Wiederbelebung der Wirtschaft erleichtert – die österreichische Industrie profitierte von der Exportprämie, ausländische Investoren wurden angelockt und der Tourismus angeregt, so hatte sie sich mit Preissteigerungen von monatlich 60 Prozent und mehr „zu einem Orkan gesteigert, der der Bevölkerung den Atem nimmt“ (Gustav Stolper). Im August 1922 erreichten die Lebenshaltungskosten das 14.000fache der Vorkriegszeit, die notwendigen Devisen für Lebensmittel-, Kohle- und Rohstoffimporte konnten nicht mehr aufgebracht werden. Österreichs staatliche Existenz schien gefährdet.



Zusammenbruch der Währung

Den Höhepunkt der Inflation dokumentiert die Emission einer Banknote mit dem Nominale von 500.000 Kronen im September 1922. Das Geld, dem niemand mehr vertraute, war „wertlos“ geworden. Kaum jemand wollte noch Kronen annehmen, Händler und Kaufleute, die es dennoch taten, konnten den Preis ihrer Waren willkürlich festlegen. Die Preise wurden täglich, oft auch stündlich erhöht. Die Löhne stiegen zwar nominell, ihre Kaufkraft sank jedoch. Der Mindestlohn eines Metallarbeiters betrug im Dezember 1921 11.041 Kronen, war im September 1922 mit 184.896 Kronen um etwa ein Viertel weniger wert. Noch höhere Einkommensverluste mussten die Bezieher von Renten und fixen Gehältern in Kauf nehmen.

 

Geld wurde in Rucksäcken und riesigen Körben transportiert. Jeder sah zu, es so rasch als möglich auszugeben. Eine panische Flucht in Sachwerte setzte ein. Verschärft wurde der Ansturm auf die Güter durch jene, die über Devisen verfügten. Während viele ihre Besitztümer zu einem Spottpreis veräußern mussten, bereicherten sich andere. Die Bevölkerung sah sich mit wachsender Erbitterung dem Treiben von Spekulanten und Schiebern ausgeliefert. Auf der Suche nach einem Sündenbock für diese Zustände erhielten antisemitische und fremdenfeindliche Ressentiments neue Nahrung.

 

Ende 1918 hatte die Notenbank, da wegen Papier- und Kohlemangels der Bedarf an Kronennoten nicht mehr rasch genug gedeckt werden konnte, Kassenscheine emittiert und darüber hinaus verschiedenen Städten die Ausgabe von Notgeld erlaubt. Diesem Beispiel folgten bald, allerdings unter Umgehung der Notenbank, weitere Gemeinden. Durch die Ausgabe von Notgeld, das oft auch nur für Sammlerzwecke produziert wurde, versuchten sie zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Insgesamt ließen etwa 1.300 Gemeinden und andere Institutionen teils sehr aufwendig gestaltetes Notgeld drucken.


  • 500.000 Kronen, 1922

    500.000 Kronen, 26. September 1922 

  • Geldtransport

    Geldtransport von der Druckerei in die Kassenräume der Oesterreichisch-ungarischen Bank, österreichische Geschäftsführung. Ein Korb enthielt 2.5 Mrd Kronen. 

  • 50 Heller Notgeld 1920/1

    50 Heller, Notgeld der Gemeinden, 1920 


  • 50 Heller Notgeld 1920/2

    50 Heller, Notgeld der Gemeinden, 1920 

  • 9,9 Heller Notgeld, 1920

    9,9 Heller, Notgeld der Gemeinden, 1920 

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