Presseaussendung


Entwicklung der von den Banken im Kundengeschäft vergebenen Zinssätze

Jänner bis Juli 2003

Wien, 15. 10. 2003


  • Erstmalige Veröffentlichung der seit Jänner 2003 erhobenen neuen WWU-weit harmonisierten EZB-Zinssatzstatistik
  • Kreditzinssätze gingen 2003 stärker zurück (durchschnittlich -0,86 %-Punkte) als der EZB-Hauptrefinanzierungssatz (-0,74 %-Punkte) und die Einlagenzinssätze (-0,63 %-Punkte)
  • Spanne zwischen dem durchschnittlichen Neugeschäftszinssatz für Kredite und jenem für Einlagen sank zwischen Jänner und Juli 2003 von 1,62 auf 1,39 %-Punkte         


Erhebung einer neuen harmonisierten Zinssatzstatistik für den Euroraum seit Jänner 2003

Seit Jänner 2003 wird von den Zentralbanken der einzelnen Mitgliedstaaten der WWU und damit auch von der Oesterreichischen Nationalbank eine neue harmonisierte Zinssatzstatistik erhoben. Inhalt sind die von Banken im Kundengeschäft mit privaten Haushalten und nichtfinanziellen Unternehmen im Euroraum vergebenen Zinssätze für Kredite und Einlagen. Die neue Statistik dient in erster Linie dazu, den monetären Transmissionsmechanismus (d. h. die Auswirkung von Leitzinsentscheidungen der EZB auf die Zinssätze der Banken) zu beobachten. Weiters dient die Statistik aber auch zur Beobachtung der Stabilität des Finanzsystems im Euroraum. 

In Österreich erhebt die OeNB entsprechende Daten von 88 repräsentativen Kreditinstituten. Die aggregierten Österreich-Daten werden monatlich der EZB übermittelt, die für den Euroraum korrespondierende Ergebnisse berechnet und ebenfalls publiziert. Die erstmalige Publikation der Euroraum-Aggregate ist noch für dieses Jahr geplant. 



Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Euro-Kreditkategorien lag im Juli um 0,86%-Punkte unter dem Wert von Jänner 2003, verglichen mit einem Rückgang von 0,63%-Punkten bei jenem über alle Einlagenkategorien. Dem stand ein Rückgang beim EZB-Hauptrefinanzierungssatz während desselben Zeitraums von –0,74%-Punkten gegenüber. Durch den geringeren Rückgang der Zinssätze bei Einlagen reduzierte sich die Spanne zwischen dem kapitalgewichteten Durchschnittszinssatz über alle Euro-Kredite und jenem über alle Euro-Einlagen von 1,62%-Punkten im Jänner auf nur noch 1,39%-Punkte im Juli.

 


Grafik 1: Vergleich der kapitalgewichteten Durchschnittszinssätze für das Neugeschäft mit Kunden mit EZB-Hauptrefinanzierungssatz und 12-Monats-EURIBOR

Starke Reduktionen bei Kreditzinssätzen des Neugeschäftes


Neugeschäftszinssätze1) für Kredite
 
 an private Haus­haltean nicht­finanzielle Unter­nehmenan private Haus­halte und nicht­finanzielle Unter­nehmenEuro-Kredite ins­gesamt
Konsum­krediteWohnbau­krediteSonstige KrediteKredite bis 1 Mio EURKredite über 1 Mio EURKredite in JPYKredite in CHF
Annuali­sierter Jahres­zinssatzEffektiv­zinssatzAnnuali­sierter Jahres­zinssatzEffektiv­zinssatz
 
2003/015,776,594,965,375,324,563,981,121,944,36
2003/025,756,484,865,245,224,673,911,111,914,33
2003/035,656,364,855,215,044,593,751,11,774,29
2003/045,556,274,54,84,964,463,461,11,733,97
2003/055,576,264,374,724,724,293,471,061,723,92
2003/065,416,184,394,634,584,043,210,951,573,67
2003/075,155,894,184,414,413,933,010,941,533,5
 

Der anhaltende Trend von deutlich sinkenden Durchschnittszinssätzen verstärkte sich in Folge der Leitzinssenkung von Juni 2003 bei den Kreditzinssätzen in den meisten Erhebungskategorien. Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Euro-Kreditkategorien sank im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,17%-Punkte und somit gegenüber dem Jänner um 0,86%-Punkte auf 3,5%. Besonders stark waren die Rückgänge bei den Krediten an nichtfinanzielle Unternehmen, und hier insbesondere bei den Krediten mit einem Volumen von über 1 Million Euro, deren Durchschnittszinssatz seit dem Jänner um 0,97 %-Punkte von 3,98 auf 3,01% gesunken ist. Bei den Krediten mit Volumen von bis zu 1 Million Euro lag der entsprechende Rückgang hingegen nur bei 0,63%-Punkten. 

Bemerkenswert waren auch die Reduktionen bei Wohnbaukrediten, die gegenüber Jänner 2003 im Schnitt bei 0,78%-Punkte lagen. Etwas geringer fielen sie bei Konsumkrediten aus, bei denen der Juliwert mit 5,15% um 0,62%-Punkte unter dem Vergleichswert von Jänner 2003 lag. 

Ein Vergleich zwischen den Effektivzinssätzen und den annualisierten vereinbarten Jahreszinssätzen ermöglicht die Berechnung der mit den jeweiligen Kreditkategorien verbundenen Gebühren. In der Kategorie Konsumkredite repräsentieren die Gebühren einen höheren Anteil an den Gesamtkosten (der Effektivzinssatz lag mit 5,89% deutlich über dem kapitalgewichteten annualisierten vereinbarten Jahreszinssatz über alle Zinsbindungsfristen von 5,15%) als bei den Wohnbaukrediten (Effektivzinssatz 4,41% gegenüber dem kapitalgewichteten annualisierten vereinbarten Jahreszinssatz von 4,18%), wobei sich die Gebühren bei den Wohnbaukrediten seit Jänner deutlich verringert haben (die Differenz zwischen Effektivzinssatz und annualisierten vereinbarten Jahreszinssatz sank von 0,41 auf 0,23%-Punkte).



Grafik 2: Vergleich zwischen annualisierten vereinbarten Jahreszinssätzen für Wohnbau- bzw. Konsumkredite
Bei den volumsmäßig mit Abstand bedeutendsten Fremdwährungskreditkategorien – den JPY und den CHF-Krediten – zeigten die vom Niveau her sehr niedrigen Zinssätze eine schwächere Abwärtsbewegung als die Zinssätze bei Eurokrediten. Der Durchschnittszinssatz für JPY-Kredite sank gegenüber Jänner 2003 um 0,18%-Punkte auf 0,94% und jener für CHF-Kredite um 0,41%-Punkte auf 1,53%, während die Euro-Kredite während desselben Zeitraumes um 0,86%-Punkte sanken.

Rückgänge auch bei den Einlagenzinssätzen des Neugeschäftes – Das Ausmaß war allerdings geringer als bei den Krediten


Neugeschäftszinssätze1) für Einlagen
 
 von privaten Haushaltenvon nicht-finanziellen UnternehmenEuro-Einlagen insgesamt2)
Spareinlagen
bis 1 Jahr1 bis 2 Jahreüber 2 Jahreins­gesamt
 
2003/012,563,073,492,942,672,74
2003/022,603,053,402,972,602,72
2003/032,453,003,342,832,342,52
2003/042,432,973,292,792,382,52
2003/052,352,853,222,752,352,48
2003/062,162,683,102,562,012,19
2003/072,112,532,982,431,932,11
 

Bei den Einlagen war ebenfalls ein deutlicher Abwärtstrend festzustellen, wobei das Ausmaß allerdings schwächer als bei den Krediten war (der entsprechende Durchschnittszinssatz über alle Euro-Einlagen sank um 0,63%-Punkte). Der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Laufzeitenkategorien bei den Spareinlagen an private Haushalte – die zusätzlich zu den von der EZB-Verordnung geforderten Einlagen von der OeNB erhoben werden – lag im Juli bei 2,43% und damit 0,51%-Punkte unter dem Vergleichswert von Jänner. 

Der Durchschnittszinssatz für Spareinlagen mit Laufzeit von über 2 Jahren lag nach einem Rückgang von 0,51%-Punkten gegenüber Jänner bei 2,98 %. Damit wurde im Juli erstmals in diesem Jahr die 3%-Marke unterschritten. Bei den Einlagen von nichtfinanziellen Unternehmen sank der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Laufzeiten im Juli mit 1,93 %-Punkten erstmals in diesem Jahr unter die 2%-Marke und lag somit um 0,74%-Punkte unter dem Wert zu Jahresbeginn.


Publikationen

Die neue Statistik wird ab dem Statistischen Monatsheft/Ausgabe 8/2003 monatlich als Tabelle 3.1.1.1 "EZB-Zinssatzstatistik der inländischen Kreditinstitute" sowohl gedruckt als auch im Internet (www.oenb.at/stat_p.htm) verfügbar sein. Im Dezember wird die OeNB im Rahmen einer Pressekonferenz neben den neuesten Daten auch die Methodik der neuen Zinssatzstatistik und das mit der Zinssatzstatistik verbundene Informationsmaterial präsentieren. 



Vergleich zur bisherigen österreichischen Zinssatzstatistik

Gegenüber der bisher in Österreich erhobenen Zinssatzstatistik hat sich die Erhebungsmethode insofern verändert, als nicht mehr der am häufigsten vergebene Zinssatz in jeder Kategorie sondern der kapitalgewichtete Durchschnittszinssatz über alle Geschäfte pro Kategorie erhoben wird. Insgesamt werden monatlich 53 Zinssätze (49 davon betreffen Geschäfte in Euro) für das Neugeschäft aber auch betreffend den Gesamtbestand erhoben. Unter Neugeschäft fallen nicht nur neu abgeschlossene Geschäfte sondern auch mit den Kunden neu ausverhandelte Bestandteile bestehender Verträge (z. B. Prolongationen, Zinssatzänderungen…). Der erhobene Zinssatz ist der annualisierte vereinbarte Jahreszinssatz. Dieser wird definiert als der individuell zwischen einer Bank und einem privaten Haushalt oder nichtfinanziellen Unternehmen vereinbarte, auf Jahresbasis umgerechnete und in Prozent pro Jahr angegebene Zinssatz für eine Einlage oder einen Kredit. Er berücksichtigt nur etwaige unterjährige Zinskapitalisierungen aber keine sonstigen Kosten (Gebühren, Provisionen). Neben dem annualisierten vereinbarten Jahreszinssatz wird für Konsum- und Wohnbaukredite für das Neugeschäft auch der effektive Jahreszinssatz erhoben: Dieser spiegelt die Gesamtkosten aus Sicht eines Verbrauchers wider (enthält somit auch alle Nebenkosten wie Provisionen, Gebühren…). 



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