Glossar

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ABCP (Asset-Backed Commercial Paper)

ABCP gehören zum Segment der verbrieften Forderungen. In der Regel liegen diesen Papieren Forderungen von Industrieunternehmen zugrunde. ABCP werden am Geldmarkt und oft als Daueremission begeben.


ABS (Asset-Backed Security)

ABS gehören zum Segment der verbrieften Forderungen. Das ABS-Prinzip basiert darauf, dass Zweckgesellschaften, in die die Forderungen eingebracht werden, zur Refinanzierung des erworbenen Forderungsbestands Wertpapiere am Kapitalmarkt emittieren.


Aktiengesellschaft (AG)

Eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, bei der die Gesellschafter (Aktionäre) an dem in Aktien aufgeteilten Grundkapital beteiligt sind, ohne persönlich für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft zu haften.


ARTIS (Austrian Real Time Interbank Settlement System)

RTGS-System der OeNB, welches im Zuge der Umstellung Zahlungsverkehrsinfrastruktur in Europa (von TARGET auf TARGET2) von neuen Systemen (SSP und HOAM.AT) abgelöst wurde.


ATX (Austrian Traded Index)

Ein von der Wiener Börse AG entwickelter und in Echtzeit berechneter Preisindex, in dem große Unternehmen mit hoher Bonität repräsentiert sind. Der ATX enthält die 20 liquidesten Aktien der Wiener Börse, gewichtet gemäß ihrer Marktkapitalisierung. Ausgangspunkt für die Berechnung des ATX ist der 2. Jänner 1991 mit 1.000 Punkten.


Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default, PD)

Wahrscheinlichkeit, dass ein Kreditnehmer innerhalb eines bestimmten Zeitraums (in der Regel ein Jahr) ausfallen wird. Bei den IRB-Ansätzen zum Kreditrisiko stellt die PD einen zu schätzenden Risikoparameter dar.


Bankwesengesetz (BWG)

Das Bundesgesetz über das Bankwesen (BWG) ist die gesetzliche Grundlage, auf der österreichische Kredit- und Finanzinstitute ihre Bankgeschäfte betreiben. Es enthält wichtige Begriffsbestimmungen, regelt Konzession, Niederlassung und aufsichtliche Agenden, beinhaltet die Ordnungsnormen des Bankgeschäfts, Verbraucherbestimmungen, das Bankgeheimnis, Regelungen zu Einlagensicherung etc.


Barwert (Gegenwartswert, Net Present Value, NPV)

Heutiger Wert einer künftigen Zahlung, der durch so genanntes Abzinsen ermittelt wird. Beispielsweise ist eine Zahlung von 105 €, die man in einem Jahr mit Sicherheit erhalten wird, heute noch nicht 105 € wert, sondern bei einer (risikolosen) Verzinsung von 5% erst 100 €, da man 100 € heute mit 5% Verzinsung anlegen könnte und damit in einem Jahr 105 € erhalten würde.


Basisindikatoransatz (BIA)

Einfachster Ansatz zur Berechnung des Eigenmittelerfordernisses für das operationelle Risiko. Dabei wird ein bestimmter Prozentsatz (Alpha-Faktor) der Bruttoerträge als Mindesteigenmittelerfordernis festgesetzt.


BBA (British Bankers’ Association)

Die BBA ist ein führender Interessensverband von 223 Banken aus mehr als 60 Ländern. Die BBA legt unter anderem den LIBOR (London Interbank Offered Rate) fest. Link: http://www.bba.org.uk/


Betriebliche Vorsorgekasse (BV-Kasse)

Neues Abfertigungsmodell für alle in Österreich tätigen Arbeitnehmer (geltend für Beschäftigungsverhältnisse ab dem 1. Jänner 2003). Grundprinzip ist die Auslagerung der Abfertigungsverpflichtung des Arbeitgebers auf rechtlich selbstständige BV-Kassen. Seit Anpassung der gesetzlichen Grundlage im Jahr 2008 (mit Einführung des Betrieblichen Mitarbeiter- und Selbständigenrvorsorgegesetzes – BMSVG) stehen die BV-Kassen auch Selbständigen offen. Bei BV-Kassen handelt es sich um Kreditinstitute im Sinne des Bankwesengesetzes. 


BIC (Bank Identifier Code)

Auch als SWIFT-Adresse bezeichnet. International standardisierter Code zur eindeutigen Identifizierung von Kreditinstituten bzw. deren Filialen (internationale Bankleitzahl). Der BIC besteht aus 8- bis 11-stelligen Buchstaben- und Zahlenkombination, die das Kreditinstitut, das Land, den Standort und gegebenenfalls die Filiale angeben.


BIZ (Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, BIS, Bank for International Settlements)

Älteste internationale Finanzorganisation der Welt (1930 in Basel (Schweiz) gegründet), die als „Bank der Zentralbanken“ Finanzdienstleistungen speziell für Zentralbanken erbringt (die auch die einzigen Aktionäre der BIZ sind). Darüber hinaus bietet die BIZ ein Diskussionsforum für Geld- und Finanzmarktstabilitätsfragen mit regelmäßigen Tagungen der Präsidenten der BIZ-Mitgliedsbanken sowie im Rahmen von Ausschüssen wie dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS) oder Gremien wie dem Forum für Finanzstabilität (FSF). Link: http://www.bis.org/


 


BRIC-Staaten (BRIC)

Bezeichnung für die vier größten Schwellenländer: Brasilien, Russland, Indien und China.


Bruttosozialprodukt (BSP, Bruttonationalprodukt, BNP)

Wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft,jedoch erfolgt die Erhebung auf der Basis des so genannten Inländerkonzepts, wonach alle von Inländern (im Inland oder Ausland) produzierten Güter und Dienstleistungen erfasst werden.


Bundes-Wertpapieraufsicht (BWA)

Die Bundes-Wertpapieraufsicht war im Zeitraum vom 1. Jänner 1997 bis 31. März 2002 für die Überwachung der Ordnungsmäßigkeit des Börsehandels in Österreich zuständig. Ihre Aufgaben nimmt seit 1. April 2002 die FMA wahr.


CDS (Credit Default Swap)

Credit Default Swaps sind Kreditderivate, mit denen sich Marktteilnehmer – nach dem Prinzip einer Kreditversicherung – gegen das Ausfallsrisiko (beispielsweise bei Anleihen) absichern können.


Central Securities Depository (CSD)

Zentrale Einrichtung zur Verwaltung und/oder Verwahrung von Wertpapieren ("Zentralverwahrer").


Centralised Securities Database (CSDB)

Umfangreiche EZB-Datenbank, in der die Wertpapieremissionen und der Wertpapierbesitz  von EU-Ansässigen erfasst wird.


CESEE (Central, Eastern and Southeastern Europe)

Bezeichnet die Gruppe der zentral-, ost- und südosteuropäischen Staaten, insbesondere die Länder des ehemaligen Ostblocks und des ehemaligen Jugoslawien. Zu den EU-Mitgliedstaaten dieser Gruppe gehören Slowenien, Ungarn, Slowakei, die Tschechische Republik, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Bulgarien und Rumänien. Die Länder des Westbalkans umfassen Kroatien, Mazedonien, Serbien, Montenegro, Albanien und Bosnien und Herzegowina. Ferner werden Russland, die Ukraine, Weißrussland und Moldawien zu dieser Gruppe gezählt.


Direktinvestitionen (FDI, Foreign Direct Investment)

Im Rahmen der Zahlungsbilanz erfasstes, langfristig im ausländischen Unternehmen investiertes Kapital, das aufgrund eines Anteils von mindestens 10% am Grundkapital maßgeblichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens sichert. Man unterscheidet aktive Direktinvestitionen (Österreichs im Ausland) bzw. passive Direktinvestitionen (des Auslands in Österreich). Weiters sind die laufenden Transaktionen innerhalb einer Berichtsperiode (Flüsse) von den Beständen zu Periodenende zu unterscheiden. Eine weitere Differenzierung betrifft die Art der Finanzierung, und zwar Eigenkapital und „sonstiges Direktinvestitionskapital“ (konzerninterne Finanzierung, vor allem durch Kredite). Ebenfalls zu den Direktinvestitionen („im weiteren Sinne“) gehören Special Purpose Entities sowie der Erwerb von Liegenschaften durch Private im Ausland.


E-Banking (Electronic Banking)

Bankgeschäfte, die unabhängig von einer Bankfiliale, beleglos und in elektronischer Form abgewickelt werden. E-Banking wird insbesondere für Konto- und Depotbestandsabfragen (Informationsdienste) und für Überweisungen, Wertpapiertransaktionen sowie Kauf und Verkauf anderer Bankprodukte (Transaktionsdienste) genutzt. Die Begriffe Online-, PC-, Home-, Internet- und Tele-Banking werden oft synonym für den Begriff E-Banking benützt.


EBRD (European Bank for Reconstruction and Development, EBWE, Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung)

Die 1991 mit Sitz in London (Vereinigtes Königreich) als Bank gegründete europäische Institution sollte nach dem Zusammenbruch des Kommunismus den Übergang zur offenen Marktwirtschaft in den Ländern Mittel- und Osteuropas und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) aber auch Zentralasiens unterstützen. Die EBRD ist der größte Investor in diesen Regionen und bietet Projektfinanzierungen für Banken sowie staatliche und vor allem private Unternehmen. Link: http://www.ebrd.com/


ECOFIN-Rat (Economic and Finance Ministers Council, Rat der Wirtschafts- und Finanzminister, Rat Wirtschaft und Finanzen)

Das zentrale wirtschafts- und finanzpolitische Entscheidungsgremium der EU, gebildet aus den Wirtschafts- und Finanzministern der 27 EU-Mitgliedsländer. Der ECOFIN-Rat koordiniert die Wirtschaftspolitik auf EU-Ebene und tagt mindestens einmal monatlich, wobei die Mitglieder der Eurogruppe in der Regel bereits am Tag davor zusammenkommen. Den Vorsitz im ECOFIN-Rat führt der Ressortminister jenes Mitgliedslandes, das gerade die EU-Ratspräsidentschaft innehat. 


Economic Sentiment Indicator (ESI)

Stimmungsbarometer der Europäischen Kommission, das verdeutlicht, wie die einzelnen Wirtschaftsbranchen und die Konsumenten EU-weit die Wirtschaftsentwicklung einschätzen. Basiert auf einer monatlichen Umfrage unter etwa 125.000 Betrieben und 40.000 Haushalten. Die Umfrageergebnisse werden als Saldo aus positiven und negativen Antworten veröffentlicht. Der ESI gehört aufgrund seiner langjährigen Verfügbarkeit und der breiten Abdeckung von Sektoren, Ländern und Fragen zu den gängigsten Vorlaufindikatoren.


ECU (European Currency Unit)

Im Rahmen des Europäischen Währungssystems (EWS) 1999 gebildete Kunstwährung, die ihrerseits die Europäische Rechnungseinheit ablöste und per 1. Januar 1999 im Verhältnis 1:1 durch den Euro ersetzt wurde. Der ECU war eine aus den Währungen der 12 EWS-Mitgliedstaaten gebildete „Korbwährung“ und entsprach dem gewichteten Durchschnittswert von feststehenden Beträgen der 12 EWS-Währungen.


E-Geld (Elektronisches Geld)

Elektronische Form des Bargelds, praktisch vor allem für die Bezahlung kleiner Geldbeträge. In Österreich ist elektronisches Zahlen z. B. mit Quick-Wertkarten möglich, wobei das E-Geld auf dem Chip dieser Karten gegen entsprechende Kontobelastung oder Barbezahlung gespeichert wird.


EIB (Europäische Investitionsbank, European Investment Bank)

Die 1958 mit Sitz in Luxemburg als Bank gegründete Institution der EU gewährt dem öffentlichen und dem privaten Sektor in den EU-Staaten (über den Kapitalmarkt refinanzierte) Darlehen und Bürgschaften zur Finanzierung von Projekten (i.d.R. bis zu 50% der Projektkosten), die im europäischen Interesse liegen, z. B. Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen, Umweltschutzmaßnahmen oder Forschung. Link: http://www.eib.org/


Einheitliche Europäische Akte (EEA, European Single Act, ESA)

Am 17. und 28. Februar 1986 in Luxemburg unterzeichneter und am 1. Juli 1987 in Kraft getretener Vertrag zur Abänderung und Ergänzung des Vertrags zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG-Vertrag), mit dem die Rahmenbedingungen für die Verwirklichung eines europäischen Binnenmarktes bis zum 31. Dezember 1992 geschaffen wurden; u. a. durch institutionelle Veränderungen sowie durch Erweiterung der Zuständigkeiten der Gemeinschaft, insbesondere in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Umwelt und in der bis dahin informell betriebenen gemeinsamen Außenpolitik.


Einkaufsmanagerindex (EMI)

Basiert auf einer monatlichen repräsentativen Umfrage unter Managern großer Betriebe (ursprünglich im Industriesektor, nun auch im Dienstleistungs- und Bausektor) zu Produktion, Auftragseingängen oder Lagerbeständen. Der Index ist so normiert, dass Werte unter (über) 50 einer Verschlechterung (Verbesserung) der konjunkturellen Lage entsprechen. Der Industrie-EMI wird für die wichtigsten Industrieländer weltweit ermittelt, u. a. auch für Österreich. Im Vergleich zu anderen Vorlaufindikatoren wird dem EMI eine besonders lange Vorlaufzeit in Bezug auf die künftige Wirtschaftsentwicklung zugeschrieben.


EONIA (Euro OverNight Index Average)

Der EONIA-Zinssatz ist ein gewichteter Durchschnitt der Zinssätze für unbesicherte Übernacht-Zwischenbankausleihungen im gesamten Euro-Geldmarkt. In die Durchschnittsermittlung einbezogen werden Zinsen für Zwischenbankeinlagen von repräsentativen Banken aus dem Euroraum. Siehe auch: EURIBOR


Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT)

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit errechnet sich aus dem Betriebsergebnis abzüglich der Wertberichtigungen.


ESVG 1995 (Europäisches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 1995)

Das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 1995 ist ein international vereinheitlichtes Rechnungssystem, das systematisch und detailliert eine Volkswirtschaft (Region, Land, Ländergruppe) mit ihren wesentlichen Merkmalen und den Beziehungen zu anderen Volkswirtschaften beschreibt.
Das ESVG 1995 stimmt mit den weltweit geltenden Regeln des System of National Accounts (SNA 1993 oder kurz SNA, das unter der gemeinsamen Verantwortung der Vereinten Nationen, des Internationalen Währungsfonds, der Kommission der Europäischen Gemeinschaft, der OECD und der Weltbank geschaffen wurde) überein. Jedoch berücksichtigt das ESVG 1995 stärker die Gegebenheiten und den Datenbedarf in der Europäischen Union. Das ESVG 1995 ist wie das SNA auf die Konzepte und Klassifikationen vieler anderer Wirtschafts- und Sozialstatistiken abgestimmt, wie etwa Statistiken über die Erwerbstätigkeit, die Produktion und den Außenhandel. Das ESVG 1995 kann daher als zentraler Bezugsrahmen für die Wirtschafts- und Sozialstatistik der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten dienen.

 


EU-Kandidatenländer (Kandidatenländer, EU-Beitrittskandidatenländer)

Als Beitrittskandidaten zur EU gelten formal Länder, die einen Beitrittsantrag gestellt haben und denen die Europäische Kommission in einer diesbezüglichen Stellungnahme („Avis“) Kandidatenstatus eingeräumt hat. Kandidatenländer per 1. Januar 2009 sind die Türkei (Kandidat seit 1999, Verhandlungen seit 2005), Kroatien (Kandidat seit 2004, Verhandlungen seit 2005) sowie die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien (Kandidat seit 2005).


EURIBOR (Euro Interbank Offered Rate)

Der EURIBOR ist ein repräsentativer Zwischenbanken-Zinssatz für Termingelder in Euro mit einer Laufzeit von 1 Woche bis zu 12 Monaten. Er dient als Referenz für viele Finanzprodukte wie Spareinlagen oder Hypothekarkredite (z. B. 1 Prozentpunkt Aufschlag auf den Dreimonats-EURIBOR).

Die Ermittlung des EURIBOR erfolgt durch eine repräsentative Umfrage unter den wichtigsten Banken, die aktiv am Euro-Geldmarkt teilnehmen, davon der Großteil aus dem Euroraum. Der EURIBOR ist der Mittelwert der gemeldeten Zinssätze, wobei die jeweils 15% höchsten und tiefsten Werte eliminiert werden. Vergleichbare Zinssätze für andere Währungen wie den US-Dollar oder das britische Pfund laufen unter der Bezeichnung LIBOR (London Interbank Offered Rate).


Europäische Gemeinschaft (EG)

Europäische Institution sowie erste der drei Säulen der Europäischen Union und damit das Kernstück der EU – gegründet 1957 als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und 1993 durch den Vertrag von Maastricht in Europäische Gemeinschaft umbenannt. Obwohl heute generell meistens von der Europäischen Union statt von der Europäischen Gemeinschaft geredet wird, bleiben EU und EG juristisch unterschiedliche Konstrukte. Anders als die EU verfügt die EG über völkerrechtliche Handlungsfähigkeit. Ihr Hauptziel ist die Verwirklichung eines großen gemeinsamen Markts ohne Binnengrenzen.


Europäische Gemeinschaften (EG, EAG)

Europäische Institutionen, gegründet 1967 durch Fusion der Organe (1) der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), (2) der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), heute EG und (3) der Europäischen Atomgemeinschaft (EAG). Die jeweiligen Gründungsverträge aus den Jahren 1951 (EGKS) und 1957 (EWG und EAG – „Römische Verträge“) behielten aber weiterhin ihre Gültigkeit. Seit die EGKS durch Vertragsablauf im Juli 2002 in der EG aufging, bestehen die Europäischen Gemeinschaften aber nur mehr aus der EAG und der EG.


Europäische Kommission (EU-Kommission, Kommission)

Europäische Institution (mit Sitz in Brüssel (Belgien)), bezeichnet im engeren Sinn das Kollegialorgan mit je einem Mitglied aus jedem der 27 EU-Staaten (EU-27) an der Spitze der EU und im weiteren Sinn auch die diesem unterstellte Verwaltungsbehörde, deren ca. 16.000 Bedienstete hauptsächlich in Brüssel und Luxemburg tätig sind. Die Kommission ist der „Motor der Gemeinschaftspolitik“, da sie über ein fast ausschließliches legislatives Initiativrecht verfügt; die Richtlinien, Verordnungen etc. des Rates und des Parlaments vorbereitet, umsetzt und verwaltet; und als „Hüterin der Verträge“ die Einhaltung des Gemeinschaftsrechts kontrolliert. Die Kommission wird vom Rat mit qualifizierter Mehrheit im Einvernehmen mit den Mitgliedstaaten für fünf Jahre ernannt und muss vom Europäischen Parlament, dem sie rechenschaftspflichtig ist, bestätigt werden.


Europäische Union (EU, European Union)

Staatenverbund aus inzwischen 27 europäischen Staaten (EU-27), der seit dem Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht (1. November 1993) besteht. Zur EU gehören derzeit 17 Euro-Länder sowie Bulgarien, Dänemark, Großbritannien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Schweden, die Tschechische Republik und Ungarn. Ziel der EU ist die Vertiefung des Binnenmarktes (Verwirklichung der vier Freiheiten), eine einheitliche Geld- und Währungspolitik und eine zunehmend stärkere Koordinierung der allgemeinen Politiken in den Bereichen Wirtschaft, Soziales, Außenbeziehungen und Verteidigung sowie Justiz und innere Sicherheit.


Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG, European Economic Community, EEC)

Europäische Institution sowie erste der drei Säulen der Europäischen Union und damit Kernstück der EU – gegründet 1957 (durch Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und Deutschland), und 1993 durch den Vertrag von Maastricht in Europäische Gemeinschaft umbenannt, um der mittlerweile erweiterten Aufgabenstellung Rechnung zu tragen.


Europäischer Gerichtshof (EuGH)

Der 1957 gegründete EuGH (mit Sitz in Luxemburg) bildet gemeinsam mit dem 1989 eingerichteten Gericht erster Instanz (GeI) die Gerichtsbarkeit der Europäischen Union. Der EuGH hat die Aufgabe, zusammen mit dem GeI die Wahrung des Rechts bei der Auslegung und Anwendung der Europäischen Verträge zu sichern. Er ist für die Entscheidung über Rechtsstreitigkeiten zuständig, an denen Mitgliedstaaten, Gemeinschaftsorgane, Unternehmen und Privatpersonen als Parteien beteiligt sein können. Der EuGH besteht aus je einem Richter pro Mitgliedstaat. Diese werden von acht Generalanwälten unterstützt. Die Mitglieder beider Instanzen werden von den nationalen Regierungen für sechs Jahre ernannt. Link: http://curia.europa.eu/de/


Europäischer Wirtschaftsraum (EWR, EEA, European Economic Area)

Ursprünglich am 1. Januar 1994 geschaffener gemeinsamer Wirtschaftsraum der EU- und EFTA-Staaten, dem heute 30 Staaten angehören, nämlich die 27 EU-Mitgliedstaaten (EU-27) sowie die drei EFTA-Mitglieder Norwegen, Island, Liechtenstein (nicht aber die Schweiz). Ziel des EWR ist die Verwirklichung des freien Waren-, Personen-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs sowie die Kooperation in den Bereichen Umwelt, Bildung, Forschung, Entwicklung usw. Mit 40% des Welthandels ist der EWR der größte gemeinsame Markt der Welt. Er ist keine Zollunion, aber aufgrund der Anwendbarkeit einer Vielzahl von Harmonisierungsvorschriften mehr als eine einfache Freihandelszone.


Europäisches Parlament (EU Parlament)

In dem seit 1979 in allgemeiner und direkter Wahl alle fünf Jahre gewählten Europäischen Parlament (mit Sitz in Straßburg (Frankreich)) haben die Vertreter der 492 Millionen EU-Bürger Sitz und Stimme. Das Europäische Parlament hat 785 Abgeordnete, die sich nach der Bevölkerungszahl der Mitgliedstaaten verteilen. Hauptaufgaben sind die Gesetzgebungsbefugnis (die mit dem Rat insbesondere im Rahmen des Mitentscheidungsverfahrens geteilt wird), Haushaltsbefugnisse (die auch mit dem Rat gemeinsam ausgeübt werden) und die politische Kontrolle der europäischen Organe, insbesondere der Kommission. Als Volksvertreter sind die Europaabgeordneten unabhängig. Intern bilden sie Fraktionen, die nicht nationale, sondern parteipolitische Zusammenschlüsse sind. Link: http://www.europarl.europa.eu/


Europäisches System der Zentralbanken (ESZB)

Das ESZB umfasst die EZB und die Zentralbanken der derzeit 27 EU-Mitgliedstaaten.


Europäisches Währungsinstitut (EWI, European Monetary Institute, EMI)

Das Institut mit Sitz in Frankfurt (Deutschland) war die Vorläuferorganisation der EZB und bereitete im Zeitraum 1994–1998 den Übergang zu einer gemeinsamen europäischen Währungspolitik vor. Das EWI wurde mit der Errichtung der EZB am 1. Juni 1998 aufgelöst.


Europäisches Währungssystem (EWS, European Monetary System, EMS)

Von 1979 bis zur Einführung des Euro am 1. Januar 1999 praktizierte Form enger währungspolitischer Zusammenarbeit in Europa, mit dem Ziel, eine Zone der Währungsstabilität zu schaffen. Die Hauptbestandteile des EWS waren eine gemeinsame Währungseinheit (ECU), der sogenannte Wechselkursmechanismus (mit festen, aber innerhalb einer Bandbreite von zuletzt ±15% flexiblen Wechselkursen) und verschiedene Beistandsmechanismen. Seit der Einführung des Euro regelt ein neuer Wechselkursmechanismus (WKM II) die Zusammenarbeit zwischen den Euro-Ländern und den anderen EU-Staaten.


European Free Trade Association (EFTA, Europäische Freihandelsassoziation)

1960 als Reaktion auf die Errichtung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft gegründete europäische Institution mit Sitz in Genf (Schweiz), die sich der Aufgabe verschrieben hat, den freien Warenverkehr und die wirtschaftliche Integration zwischen den Mitgliedstaaten – heute Island, Lichtenstein, Norwegen und die Schweiz – zu fördern. Gründungsmitglieder waren Dänemark, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, die Schweiz und das Vereinigte Königreich; 1970 kamen Island, 1986 Finnland und 1991 Liechtenstein dazu. Link: http://www.efta.int/


EU-27

Kurzbezeichnung für die derzeit 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union: Belgien (Gründungsmitglied), Bulgarien (2007), Dänemark (1973), Deutschland (Gründungsmitglied), Estland (2004), Finnland (1995), Frankreich (Gründungsmitglied), Griechenland (1981), Irland (1973), Italien (Gründungsmitglied), Lettland (2004), Litauen (2004), Luxemburg (Gründungsmitglied), Malta (2004), Niederlande (Gründungsmitglied), Österreich (1995), Polen (2004), Portugal (1986), Rumänien (2007), Schweden (1995), Slowakei (2004), Slowenien (2004), Spanien (1986), Tschechische Republik (2004), Ungarn (2004), Vereinigtes Königreich (1973) und Zypern (2004).


EZB (Europäische Zentralbank)

Ist die Zentralbank für die gemeinsame europäische Währung, den Euro. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Kaufkraft des Euro und somit Preisstabilität im Euroraum zu gewährleisten. Seit dem 1. Januar 1999 ist die EZB für die Durchführung der Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet – dem zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt nach den Vereinigten Staaten – verantwortlich. Dabei kooperiert sie eng mit den nationalen Zentralbanken des Eurosystems. Die EZB wird vom Direktorium, bestehend aus Präsidenten, Vizepräsidenten und vier weiteren Direktoren, geleitet. Die Beschlussorgane der EZB sind der EZB-Rat, das Direktorium und der Erweitertete Rat. Link: http://www.ecb.int/


EZB-Direktorium (Direktorium der Europäischen Zentralbank)

Sechsköpfiges Leitungsgremium, das die Verantwortung für die Geschäftsführung der EZB sowie – auf Weisung des EZB-Rats – für die Durchführung der Geldpolitik im Euroraum trägt.


Federal Reserve System (FED)

Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten von Amerika, das sich aus dem Board of Governors und zwölf regionalen Federal Reserve Banks zusammensetzt. Die FED ist damit die Notenbank der USA und zeichnet sich für die Geldpolitik, die Aufsicht über das Bank- und Finanzsystem, die Finanzmarktstabilität und für die Bereitstellung von Zahlungsverkehrsservices der USA verantwortlich. Sie wurde im Jahr 1913 vom Kongress der Vereinigten Staaten gegründet. Wichtigstes Gremium der FED ist das Federal Open Market Committee (FOMC).Link: www.federalreserve.gov


Finanzmarktaufsichtsbehördengesetz (FMABG)

Bundesgesetz, mit dem die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) errichtet wurde und per 1. April 2002 ihre operative Tätigkeit aufnahm. Als integrierte Aufsichtsbehörde ist die FMA mit den Agenden der Banken-, Versicherungs-, Wertpapier-, Börse- und Pensionskassenaufsicht betraut.


FMA (Finanzmarktaufsichtsbehörde)

Die FMA ist eine integrierte unabhängige Allfinanzaufsichtsbehörde, die seit 1. April 2002 mit der Durchführung der Banken-, Versicherungs-, Wertpapier- und Pensionskassenaufsicht in Österreich betraut ist. Sie ist der Rechtsform nach eine „Anstalt öffentlichen Rechts“ und besitzt eigene Rechtspersönlichkeit. Link: http://www.fma.gv.at


Fortgeschrittener Messansatz (Advanced Measurement Approaches, AMA)

Im Rahmen des fortgeschrittenen Messansatzes können Banken selbstentwickelte Modelle zur Berechnung der Eigenmittel, welche für das operationelle Risiko zu unterlegen sind, heranziehen. Voraussetzung dafür ist, dass diese Modelle strenge qualitative und quantitative Zulassungskriterien erfüllen.


GATS (General Agreement on Trade in Services, Allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen)

Multilateraler völkerrechtlicher Vertrag über den Handel mit Dienstleistungen, 1994 zwischen den 123 WTO-Vertragsstaaten abgeschlossen (1994 Beitritt Österreichs). Ziel des GATS ist die Intensivierung des internationalen Handels mit Dienstleistungen durch fortschreitende Liberalisierung. Das am 1. Januar 1995 in Kraft getretene GATS-Abkommen ist neben dem GATT-Abkommen das wichtigste Vertragswerk der World Trade Organization (WTO).


GATT (General Agreement on Tariffs and Trade, Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen)

Multilateraler völkerrechtlicher Vertrag über den Welthandel, der 1947 zwischen ursprünglich 23 Vertragsstaaten (1951 Beitritt Österreichs) abgeschlossen wurde und bis 1994 in Kraft war. Ziel des GATT war die Intensivierung des internationalen Güteraustausches durch Abbau von Handelshemmnissen. Der GATT-Vertrag wurde per 1. Januar 1995 in die Welthandelsorganisation (WTO) als wichtiges Vertragswerk eingegliedert.


Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS)

Zusammenschluss verschiedener Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Die GUS wurde mit dem Bestreben, einen gemeinsamen Wirtschafts- und Sicherheitsraum zu schaffen, Ende 1991 gegründet. Zu der Gruppe gehören Russland, Weißrussland, Ukraine, Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldawien, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan.


Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP)

US-amerikanische Rechnungslegungsvorschriften, bei denen die periodengerechte Erfolgsermittlung im Vordergrund steht.


Gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung (GFR)

Mit der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung erstellt die OeNB die Vermögensbilanz über die finanzielle Forderungen und Verpflichtungen Österreichs, aufgegliedert nach einzelnen volkswirtschaftlichen Sektoren (Finanzieller Sektor, Staat, Nichtfinanzielle Unternehmen, private Haushalte einschließlich privater Organisationen ohne Erwerbszweck und Ausland). Darüber hinaus wird die Finanzverflechtung zwischen den einzelnen Sektoren bzw. dieser Sektoren gegenüber dem Ausland dargestellt. Innerhalb der einzelnen Sektoren wird weiter unterschieden zwischen: Banken, der OeNB, Versicherungen, Pensionskassen, Investmentfondsgesellschaften, sonstigen Finanzinstitutionen, dem Bund, einzelnen Bundesländern und Gemeinden, Waren oder nichtfinanziellen Dienstleistungen produzierenden Unternehmen, Privatpersonen sowie Stiftungen, Hilfsorganisationen bzw. gewerkschaftlichen und kirchlichen Organisationen in Österreich.


GSA (Geldservice Austria GmbH)

Österreichisches Unternehmen, das mit der Geldbearbeitung, der Ver- und Entsorgung von Banknoten und Münzen und dem Valutenhandel befasst ist. Mehrheitseigentümerin der GSA ist mit derzeit 91 % die OeNB. 9 % halten vor allem österreichische Geschäftsbanken. Die vollständige Firmenbezeichnung der GSA lautet Geldservice Austria Logistik für Wertgestionierung und Transportkoordination G.m.b.H.


G-10 (Gruppe der Zehn, Zehnergruppe)

Informeller Zusammenschluss der Finanzminister und der Präsidenten der Zentralbanken von zehn wichtigen Industrienationen (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Niederlande, Belgien und Schweden) sowie der Schweiz und Luxemburg; 1962 anlässlich des Abschlusses der Allgemeinen Kreditvereinbarungen (General Agreements to Borrow – GAB) mit dem IWF gebildet. Die Schweiz ist seit 1962 assoziiertes und seit 1984 elftes Vollmitglied; Luxemburg ist assoziiertes Mitglied, dennoch wurde der Name G-10 beibehalten. Ziel ist die Abstimmung und gemeinsame Vertretung der währungspolitischen Interessen. Die Mitglieder der G-10 tagen zweimal jährlich unter Beteiligung des IWF, der OECD und der EU.


G-20 (Gruppe der Zwanzig)

Informeller Zusammenschluss der Finanzminister und der Präsidenten der Zentralbanken der neunzehn wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Russland, Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Saudiarabien, Südafrika, Südkorea und Türkei) sowie der EU; als Antwort auf die Finanzkrise in den späten 1990er-Jahren und zur Einbindung der Entwicklungsländer in die globale ökonomische Diskussion 1999 gebildet. Die Mitglieder der G-20 tagen einmal jährlich unter Einbindung einer Reihe internationaler Institutionen (IWF, Weltbank, OECD, EZB). Ziel der G-20 ist es, ein Forum für die wichtigsten Industrie- und Entwicklungsländer der Welt zu etablieren, um regelmäßig und konstruktiv zu Themen der globalen wirtschaftlichen Stabilität, der internationalen Finanzmarktstabilität und des globalen Wirtschaftswachstums zu diskutieren.


G-24 (Gruppe der Vierundzwanzig)

Informeller Zusammenschluss von 24 Entwicklungsländern (9 Staaten Afrikas, 7 Staaten Asiens und der Entwicklungsländer Europas und 8 Staaten Lateinamerikas und der Karibik); ging 1972 aus der Gruppe der Siebenundsiebzig (G-77) als währungs- und finanzpolitisches Sonderforum hervor. Aufgabe der G-24 ist es, als Gegenstück der G-10 die Interessen der Entwicklungsländer insbesondere im IWF zu koordinieren und zu vertreten. An den zweimal jährlich stattfindenden Sitzungen der G-24 nehmen der IWF, die Weltbank und als Beobachter alle Staaten der G-77, die der G-24 nicht angehören, sowie China teil.


G-8 (Gruppe der Acht)

Informeller Zusammenschluss der acht wichtigsten Industrienationen (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Russland) sowie seit 2008 der EU („G-9“); ging aus der im Gefolge der Ölkrise und der damit einhergehenden globalen Rezession 1974 erstmals tagenden Fünfergruppe (G-5: USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien) hervor. Wichtigstes Ereignis ist der jährlich stattfindende Weltwirtschaftsgipfel. Die Koordinierung der konjunktur-, währungs- und geldpolitischen Ziele erfolgt auf Regierungs-, Notenbank-, aber auch auf anderen institutionalisierten Ebenen, oft in Zusammenarbeit mit dem IWF.


Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI)

EU-weit nach einer einheitlichen Methode erhobener Verbraucherpreisindex (VPI). Zur Berechnung wird der durchschnittliche Preis eines repräsentativen Warenkorbes an Gütern und Dienstleistungen im Zeitverlauf ermittelt. Während viele Länder (wie auch Österreich) weiterhin auch einen nationalen VPI berechnen und veröffentlichen, hat sich der HVPI für die Inflationsmessung auf EU- und Euroraum-Ebene weitgehend durchgesetzt. Der HVPI ist der zentrale Inflationsindikator für die Geldpolitik im Eurosystem: Wie vom EZB-Rat festgelegt, wird als Preisstabilitätsziel ein jährlicher Anstieg des HVPI für das Euro-Währungsgebiet von unter, aber nahe 2% angepeilt.


HOAM.AT (Home Accounting Module Austria)

RTGS-System der OeNB für Inlandszahlungen und Alternativzugang zu TARGET2.


IBAN (International Bank Account Number)

International standardisierte Bankkontonummer, die sich aus einer maximal 34-stelligen Buchstaben- und Zahlenkombination zusammensetzt.


IBRD (International Bank for Reconstruction and Development, IBWE, Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung)

Älteste und wichtigste Teilorganisation der Weltbankgruppe; wurde 1944 gegründet und nahm im Juni 1946 ihre Geschäftstätigkeit mit Sitz in Washington DC (USA) auf. Ihre Aufgabe war zunächst die Finanzierung des Wiederaufbaus Europas und ist seit Beginn der amerikanischen Wirtschaftshilfe die Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung in Entwicklungs- und Transformationsländern. Schwerpunktmäßig unterstützt die IBRD Länder im mittleren Einkommensbereich und kreditwürdige Länder. Link: http://www.worldbank.org/ibrd


IHS (Institut für höhere Studien)

Österreichisches postgraduales Ausbildungs- und Wirtschaftsforschungsinstitut. Das IHS erstellt u. a. neben WIFO und OeNB regelmäßig makroökonomische Prognosen für Österreich und wirtschaftswissenschaftliche Analysen. Link: http://www.ihs.ac.at/


Institutsleitzahl (ILZ)

Zur Identifikation von Finanzinstituten, Kreditinstituten und Versicherungen wird seitens der OeNB eine Institutsleitzahl vergeben.


Internationale Rechnungslegungsstandards (International Financial Reporting Standards, IFRS)

Kapitalmarktorientierte Gesellschaften müssen ihre konsolidierten Abschlüsse laut einer EG-Verordnung seit dem 1. Jänner 2005 gemäß den vom internationalen Rechnungslegungsgremium IASB (International Accounting Standards Board) seit 2003 entwickelten Standards (= IFRS) erstellen. Sämtliche vorher entwickelten Standards (International Accounting Standards – IAS) sind weiterhin gültig, sofern sie nicht vom IASB modifiziert oder durch neue Standards ersetzt werden. Bei den internationalen Rechnungslegungsstandards steht die Informationsfunktion für den Investor im Mittelpunkt.


Internationale Vermögensposition (IVP)

Von der OeNB jährlich erstellte Statistik, die das gesamte Finanzvermögen Österreichs im Ausland jenem des Auslands in Österreich gegenüberstellt. Zum Finanzvermögen zählen Direktinvestitionen,  Portfolioinvestitionen, Sonstige Investitionen (insbesondere Kredite und Einlagen), Finanzderivate und Währungsreserven. In Deutschland „Auslandsvermögensstatus“ genannt.


IOSCO (International Organization of Securities Commissions)

Internationale Vereinigung der Wertpapieraufsichtsbehörden mit rund 170 Mitgliedern. IOSCO ist federführend bei der Aufstellung von internationalen Standards im Wertpapieraufsichtsbereich. Link: http://www.iosco.org/


IRB-Ansatz (Internal Ratings Based Approach)

Zur Berechnung der Mindesteigenmittelerfordernisse für das Kreditrisiko steht Kreditinstituten alternativ zum Standardansatz auch der  IRB-Ansatz zur Verfügung. In diesem Ansatz erfolgt eine Bonitätseinstufung der Kunden auf Basis bankeigener Bewertungsprozesse, welche strengen Anforderungen der Bankenaufsicht entsprechen müssen. Im IRB-Basisansatz wird nur die Ausfallswahrscheinlichkeit (PD) der Kunden durch die Bank selbst geschätzt; die restlichen Parametergrößen  werden von der Bankenaufsicht vorgegeben.  Im fortgeschrittenen IRB-Ansatz erfolgt zusätzlich eine eigene Schätzung weiterer Parameter laut BWG.


ISDA (International Swaps and Derivatives Association)

Die International Swaps und Derivative Association ist eine Vereinigung mit dem Ziel, Regeln und Vorschriften für den Handel mit Derivativen zu schaffen. ISDA hat ein international standardisiertes Vertragswerk (ISDA Master Agreement) für den Handel von Swaps und Derivaten geschaffen. Link: http://www.isda.org/


ISIN (International Securities Identification Number)

Der ISIN-Code nach ISO-Norm 6166 ist eine Wertpapier-Kennnummer. Verantwortlich für die Vergabe von gültigen ISIN-Codes ist in Österreich die Oesterreichische Kontrollbank. Gültig sind nur ISIN-Codes, die in der Datenbank der „Association of NNAs (ANNA)“ erfasst sind.


IWF (Internationaler Währungsfonds, IMF, International Monetary Fund)

1944 zusammen mit der Weltbank konzipierte und 1945 gegründete Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit Sitz in Washington DC (USA). Der IWF fördert die internationale Währungskooperation und Wechselkursstabilität, engagiert sich für das Wachstum des Welthandels, unterstützt Mitglieder bei Zahlungsbilanzschwierigkeiten und bei der Armutsbekämpfung. Der IWF (1) vergibt niedrig verzinste Darlehen zur Bewältigung von Zahlungsbilanzkrisen unter bestimmten wirtschaftspolitischen Auflagen, wobei er sich durch die Beiträge (Quoten) der Mitgliedsländer finanziert; (2) erstellt laufend Wirtschaftsanalysen der Mitgliedsländer und; (3) bietet technische Hilfe für seine Mitgliedsländer, d. h. Beratungsleistungen. Österreich ist seit 27. August 1948 Mitgliedsland und hält eine Quote von 1,87 Mrd SZR (0,86 % der Gesamtquote). Link: http://www.imf.org/


Joint Vienna Institute (JVI)

In Wien ansässiges Institut, das Aus- und Fortbildungskurse für Vertreter von Ministerien, Zentralbanken und Wirtschaftsinstitutionen der Reformländer Zentral-, Ost- und Südosteuropas (inkl. GUS) sowie einiger Reformländer Asiens veranstaltet. Bei den Kursen werden Grundlagen der Wirtschafts- und Finanzpolitik im Zuge des Übergangs zur Marktwirtschaft vermittelt. Das JVI wurde 1992 als gemeinsame Initiative der BIZ, der EBRD, der IBRD, des IWF und der OECD gegründet. Die WTO trat 1999 dem Abkommen bei. Aufgrund eines neuen Abkommens, das im Mai 2003 in Kraft trat und das den dauerhaften Bestand des JVI in Wien sichert, tragen nunmehr der IWF und Österreich (Finanz­ministerium und Oesterreichische Nationalbank) als Primärmitglieder gemeinsam die laufenden Kosten des Instituts. Link: www.jvi.org


Kapitalanlagegesellschaft (KAG)

Kapitalanlagegesellschaften sind Kreditinstitute, deren Geschäftsbetrieb darauf ausgerichtet ist, bei ihnen eingelegte Gelder im eigenen Namen für gemeinschaftliche Rechnung der Anleger nach dem Grundsatz der Risikostreuung (Risiko) gesondert vom eigenen Vermögen anzulegen.


Kaufkraftparität (KKP)

Das Theorem der Kaufkraftparität besagt, dass Güter gemessen an der Kaufkraft in jedem Land – zum jeweiligen Wechselkurs umgerechnet – gleich teuer sind. Existieren Preisunterschiede werden diese der KKP zufolge durch internationale Arbitrage ausgeglichen. Die Kaufkraftparität bezieht sich nicht auf einzelne Güter, sondern auf einen Warenkorb. Berechnungen zur KKP werden laufend von der OECD durchgeführt.


Loss Given Event (LGE)

Die zu beziffernde Höhe eines Schadens im Verlustfall, welches dem operationellen Risiko zuzuordnen ist. Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht unterscheidet zwischen sieben unterschiedlichen Ereigniskategorien.


Memorandum of Understanding (MOU)

Im Verhandlungsprozess abgegebene Absichtserklärung, in der Folge einen Vertrag abschließen zu wollen, insbesondere dann, wenn die Vertragsverhandlungen lange andauern oder viele potenzielle Vertragspartner vorhanden sind. Charakteristisch ist, dass die wesentlichen Vertragsinhalte noch nicht feststehen und die Parteien nur ihren Willen bekunden, ernsthafte Vertragsverhandlungen durchzuführen. Eine Verpflichtung zum nachfolgenden Vertragsabschluss wird durch die Unterzeichnung eines MOU nicht begründet. Ein MOU wird in der Regel von allen potenziellen Vertragspartnern unterfertigt.


Mitarbeiter-Vorsorgekasse (MV-Kasse)

Vorgängermodell der Betrieblichen Vorsorgekasse, das von 2003 bis 2008 im Einsatz war. Die MV-Kasse war nur für Arbeitnehmer konzipiert, die 2008 eingeführte Betriebliche Vorsorgekasse steht hingegen auch Selbständigen offen.


Monetäres Finanzinstitut (MFI)

Finanzinstitut, das Einlagen entgegennimmt, die nach der statistischen Abgrenzung der EZB zur Geldmenge zählen, und das Kredite gewährt und/oder in Wertpapiere investiert.


Mortgage-Backed Securities (MBS)

Gepoolte, verbriefte, hypothekarisch besicherte Forderungen; eine Form des Risikotransfers von Kredit- oder anderen Forderungen.


Nationalbankgesetz 1984 (NBG)

Das „Bundesgesetz über die Oesterreichische Nationalbank“ regelt die Rechtsstellung, die Organstruktur und die Aufgaben der OeNB. Es basiert auf einem Gesetz aus dem Jahr 1955, das 1984 inklusive Novellierungen wieder verlautbart und seither mehrfach novelliert wurde. Wichtig war vor allem die NBG-Novelle 1998 aus Anlass der Einführung des Euro ab 1. Jänner 1999 (Anpassung des österreichischen Notenbankrechts an die gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben). Zuletzt wurde mit der NBG-Novelle 2011, die mit 1. August 2011 in Kraft trat, insbesondere dem Umstand Rechnung getragen, dass der Bund seit Jahresmitte 2010 im Besitz von 100% OeNB-Aktien steht.


„Neue“ EU-Mitgliedstaaten („Neue“ Mitgliedstaaten)

Diese EU-Mitgliedstaaten umfassen jene europäischen Länder, die im Rahmen der Erweiterung 2004 und 2007 der EU beigetreten sind und die Mitgliedszahl von zuvor 15 auf 27 (EU-27) erhöht haben. Die Tschechische Republik, Estland, Zypern, Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Polen, Slowenien und die Slowakei sind seit dem 1. Mai 2004 EU-Mitgliedstaaten. Zwei weitere Länder, Bulgarien und Rumänien, traten der EU am 1. Januar 2007 bei. Fünf der „neuen“ Mitgliedstaaten haben bereits den Euro eingeführt, nämlich Slowenien (seit 1. Januar 2007), Zypern und Malta (seit 1. Januar 2008), die Slowakei (seit 1. Januar 2009) und Estland (seit 1. Januar 2011).


OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development, Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)

Internationale Organisation mit Sitz in Paris (Frankreich); 1961 als Nachfolgeorganisation der 1948 zur Abwicklung der Marshallplanhilfe (ERP) ins Leben gerufenen Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Organization for European Economic Co-operation – OEEC) gegründet. Österreich war sowohl Gründungsmitglied der OEEC als auch der OECD. Der OECD gehören insgesamt 30 demokratisch organisierte Marktwirtschaften an (Stand 1. Januar 2009) und sie kooperiert mit mehr als 100 weiteren Entwicklungs- und Schwellenländern. Ziel der OECD heute ist die Unterstützung von nachhaltigem Wirtschaftswachstum und Beschäftigung und Hebung des Lebensstandards unter Aufrechterhaltung der Finanzmarktstabilität in den Mitgliedstaaten und kooperierenden Staaten. Hauptaufgabe der Organisation ist es, ein Forum zur Verfügung zu stellen, in dem Regierungen ihre Erfahrungen zu wirtschaftspolitischen Fragen austauschen und gemeinsame Lösungsansätze wie z. B. Standards, Richtlinien und Verträge erarbeiten. Weitere Aufgaben der OECD sind das Führen von wirtschaftlichen und sozialen Statistiken, die Analyse und Prognose sowie Veröffentlichungen im Bereich Wirtschaftspolitik. Link: http://www.oecd.org/


OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries)

1960 gegründetes und seit 1965 in Wien ansässiges Kartell wichtiger Rohöl exportierender Länder. Die Gründungsländer waren Irak, Iran, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela; heute zählen auch Algerien, Angola, Ecuador, Katar, Libyen, Nigeria und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den Mitgliedern. Die OPEC–Mitgliedstaaten fördern etwa 45% der weltweiten Erdölproduktion und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven. Die OPEC legt regelmäßig Förderquotenbeschränkungen für ihre Mitglieder fest, um dadurch den Ölpreis zu steuern. Link: www.opec.org


Operationelles Risiko (OpRisk)

Gemäß BWG das Risiko von Verlusten, die durch Unangemessenheit oder Versagen von internen Verfahren, Menschen und Systemen oder durch externe Ereignisse verursacht werden; dazu zählt u. a. auch das Rechtsrisiko.


Optisch variables Farbelement (OVI, Farbwechsel)

Sicherheitsmerkmal auf Banknoten. Kippeffekt auf der Rückseite der 50-€- bis 500-€-Banknoten. Beim Kippen gegen eine Lichtquelle wechselt die Wertzahl im rechten unteren Eck von purpurrot auf olivgrün oder braun. Fachleute verwenden in diesem Zusammenhang auch die Abkürzung OVI für „optically variable ink“.


Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA)

Ist im Namen und auf Rechnung der Republik Österreich für das Liquiditäts- und Schuldenportfoliomanagement des Bundes verantwortlich. Der Auftrag der Bundesfinanzierungsagentur besteht darin jederzeit die Liquidität des Bundes zu mittel- bis langfristig möglichst niedrigen Kosten bei gleichzeitiger risikoaverser Ausrichtung sicherzustellen. Link:www.oebfa.at


Österreichischer Stabilitätspakt (ÖSP)

Vereinbarung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden zwecks Regelung derinnerstaatlichen Haushaltskoordinierung, mittelfristigen Budgetorientierung und Aufteilung der Konsolidierungsverpflichtungen zur Erfüllung der Zielsetzungen des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspaktes durch den Gesamtstaat Österreich.


PIN (Personal Identification Number)

Persönliche Kennzahl, mit der z. B. Zahlungskarten vor unbefugter Benutzung geschützt werden.


Potenzielle EU-Kandidatenländer (Potenzielle Kandidatenländer, Potenzielle EU-Beitrittskandidatenländer)

Als potenzielle Beitrittskandidaten zur EU gelten formal Länder, mit denen die EU im Sinne der Erklärung des Europäischen Rats von Thessaloniki vom Juni 2003 eine progressive Partnerschaft anstrebt, um die Stabilisierung der Region und in absehbarer Zeit die Einrichtung einer Freihandelszone zu unterstützen. Potenzielle Kandidatenländer per 1. Januar 2009 sind Albanien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Serbien und der Kosovo. Die Heranführungsstrategie zur EU umfasst diverse Rahmenabkommen und Mechanismen (Stabilisierungs- und Assoziierungsprozess – SAP). Jene Länder, die am SAP teilnehmen, sind zur EU-Mitgliedschaft berechtigt und können einen Beitrittsantrag stellen, sobald die Beitrittskriterien erfüllt sind.


QIS (Quantitative Impact Study)

Quantitative Auswirkungsstudie; Internationale Erhebungen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht unter Banken, mit dem Ziel, die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalregelungen (Basel II) auf die Kapitalanforderungen der Banken abzuschätzen.


Risikoorientiertes Meldewesen (ROM)

Weiterentwicklung des aufsichtsstatistischen Meldewesens. Mit der Ausdehnung auf zusätzliche Erhebungsbereiche soll das Einzelrisiko aus den verschiedenen Risikobereichen eines Kreditinstituts noch besser abgebildet werden. Mit dem risikoorientierten Meldewesen werden zusätzlich zum Kredit-, Zinsänderungs- und Marktrisiko nun auch Erhebungsaspekte aus dem Aktienpositionsrisiko und aus dem Bereich des operationalen Risikos erfasst. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Erhebung von detaillierten Konzern- und Auslandstochterbanken.


ROA (Return on Assets, Gesamtkapitalrendite)

Jahresüberschuss nach Steuern im Verhältnis zur Bilanzsumme.


RTGS-System (Real Time Gross Settlement)

Beschreibt die zentralen Systemeigenschaften bestimmter / hoch leistungsfähiger Zahlungsverkehrssysteme: 1) sofortige Abwicklung (Echtzeit) und 2) Bruttoabwicklung (jede Zahlung wird einzeln abgewickelt). Beispiele für RTGS-Systeme sind TARGET2 und HOAM.AT.


SCT (SEPA Credit Transfer, SEPA Überweisung)

In allen Euro-Ländern einheitliches Überweisungsverfahren, das das bisher ausschließlich im Inland angebotene Überweisungsverfahren sukzessive ablösen soll. Siehe auch: SEPA


SDD (SEPA Direct Debit, SEPA Lastschrift)

Zukünftiges in allen Euro-Ländern einheitliches Einzugsverfahren, das das bisher ausschließlich im Inland angebotene Einzugsverfahren sukzessive ablösen soll. Siehe auch: SEPA


SEC (U.S. Securities and Exchange Commission)

US-amerikanische Regulierungsbehörde für den Wertpapierhandel. Die SEC wurde als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise 1934 gegründet.


Sekundärmarktrendite (SMR)

Gewichteter Durchschnitt der Renditen der an der Wiener Börse im Amtlichen Handel notierten Anleihe-Emissionen in Schilling oder Euro. Die Anleihen müssen eine fixe Verzinsung und eine Restlaufzeit von über einem Jahr aufweisen.


SEPA (Single Euro Payments Area)

Auch im deutschen Sprachraum gebräuchliche Abkürzung für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum, in dem nicht mehr zwischen nationalen und grenzüberschreitenden Zahlungen unterschieden wird.


Sonderziehungsrecht (SZR, Special Drawing Right, SDR)

1969 vom IWF geschaffenes Buchgeld, das zu den internationalen Währungsreserven zählt und das der IWF darüber hinaus auch als Verrechnungswährung verwendet. Der Wechselkurs eines Sonderziehungsrechts ist durch einen Währungskorb wichtiger Weltwährungen definiert und wird werktäglich vom IWF errechnet. Seit 1. Januar 2011 enthält dieser Korb 0,660 USD, 0,423 EUR, 0,1110 GBP und 12,1 JPY. 


Sovereign Wealth Fund (SWF)

Investment Fond in Staatsbesitz. SWFs werden häufig in Ländern mit großen Budgetüberschüssen gegründet, um für zukünftige Generationen vorzusorgen und/oder um Reserven für wirtschaftlich schlechte Zeiten zu bilden.Zu den größten SWFs zählen Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), Government Pension Fund of Norway (GPF), Government of Singapore Investment Corporation (GIC), Kuwait Investment Authority (KIA), China Investment Corporation (CIC).


Special Purpose Vehicle (SPV, finanzielle Mantelgesellschaft, Zweckgesellschaft)

Unternehmen, die eigens gegründet wurden, um Leasinggeschäfte, die Verbriefung von Finanzinstrumenten oder Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durchzuführen.


Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP)

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) weisen eine gemeinsame Geldpolitik auf. Um das Preisstabilitätsziel in der WWU zu sichern, bedarf es einer stabilitätsorientierten Fiskalpolitik. Letztere liegt aber in der Verantwortung der einzelnen Mitgliedstaaten. Da sich die Auswahl der Teilnehmerländer lt. Vertrag von Maastricht an der Erfüllung der Konvergenzkriterien orientierte, war die fiskalische Stabilität zwar für den Beginn der dritten Stufe der WWU gegeben, nicht aber für den Zeitraum danach. Um eine dauerhafte solide Fiskalpolitik in den Mitgliedsländern zu sichern, wurde im Jahr 1997 der Stabilitäts- und Wachstumspakt (SWP) beschlossen und 2005 reformiert. Der SWP besteht aus einer Entschließung und zwei Verordnungen; der Verordnung über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und der Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken (VO (EG) Nr.1466/97 bzw. 1055/2005) sowie der Vorordnung über die Beschleunigung und Klärung des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit (VO (EG) Nr.1467/1997 bzw. Nr.1056/2005). Der SWP stellt somit eine Ergänzung zum EU-Vertrag mit dem Ziel dar, die in nationaler Verantwortung der Mitgliedstaaten des Euroraums verbliebenen Finanz- und Haushaltspolitiken zu koordinieren und zu überwachen und auf diese Weise die Einhaltung einer soliden Budgetpolitik dauerhaft zu sichern. Gemäß SWP sind die Mitgliedstaaten der EU/WWU grundsätzlich verpflichtet, mittelfristig (= über den Konjunkturzyklus) nahezu ausgeglichene öffentliche Haushalte bzw. seit der Reform des SWP 2005 ihr länderspezifisches „mittelfristiges Defizitziel“, zu erreichen. In normalen konjunkturellen Lagen darf die Defizitobergrenze von 3% des BIP nicht überschritten werden. Nur eine leichte, vorübergehende Überschreitung dieser Obergrenze bei Vorliegen einer „außergewöhnlichen Situation“ (schwere Rezessionen oder Naturkatastrophen) wird nicht als „übermäßiges Defizit“ definiert. Andernfalls wird ein spezifischer Sanktionsmechanismus in Gang gesetzt („Verfahren bei Vorliegen eines übermäßigen Defizits“), dessen Ziel, die schnellst mögliche Korrektur des übermäßigen Defizits ist.


STEP2 (Straight Through Euro Payment 2)

Ein Clearingsystem für den europäischen Massenzahlungsverkehr, das von der European Banking Association (EBA) angeboten wird. Die OeNB bietet österreichischen Teilnehmern einen Systemzugang zu STEP2 an.


STUZZA (Studiengesellschaft für Zusammenarbeit im Zahlungsverkehr)

Von der OeNB initiierte Kooperationsplattform der größten österreichischen Kreditinstitute zur Erarbeitung von Methoden und Normen für den Zahlungsverkehr.


S.W.I.F.T. (Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication)

Internationale Bankeninstitution, die dem weltweiten Nachrichtenaustausch – insbesondere zur Beauftragung von Finanztransaktionen – dient. Link: http://www.swift.com/


TARGET2 (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System 2)

Ein RTGS-Zahlungsverkehrsystem, das vom Eurosystem betrieben wird.


TSLF (Term Securities Lending Facility)

Bestandteil des geldpolitischen Instrumentariums der Federal Reserve; über die TSLF bekommen die Primärhändler wöchentlich Zugang zu Liquidität (gegen entsprechende Sicherheiten).


Value-at-Risk (VaR)

Zur Berechnung des Eigenmittelerfordernisses für Positionen des Handelsbuches kann ein Kreditinstitut ein internes Modell anwenden. Dies wird gemäß BWG auch als VaR-Methodik bezeichnet.


VERA (Vermögens-, Erfolgs- und Risikoausweis)

Im Rahmen des Vermögens- und Erfolgsausweises werden für Bankkonzerne und für vollkonsolidierte Kreditinstitute im Ausland die Bilanz- und GuV-Positionen sowie Kennzahlen erfasst. Dabei können unterschiedliche Arten der Rechnungslegung – befreiender Konzernabschluss nach internationalen Rechnungslegungsstandards (z. B. IFRS) oder Konzernabschluss nach BWG/UGB – angewendet werden.


Verbraucherpreisindex (VPI)

Indikator zur Messung der Preisveränderungen bei Gütern und Dienstleistungen, die ein Haushalt im Allgemeinen verbraucht. Zur Berechnung wird der durchschnittliche Preis eines repräsentativen Warenkorbes an Gütern und Dienstleistungen im Zeitverlauf ermittelt – in Österreich von STATISTIK AUSTRIA (www.statistik.at). Neben seiner Rolle als allgemeiner Inflationsindikator wird der VPI auch zur Wertsicherung von Mieten, Unterhaltszahlungen etc. verwendet, sowie als Datenbasis für Lohnverhandlungen und zur Berechnung des realen BIP herangezogen. Auf europäischer Ebene wird primär der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) verwendet.


Verlustquote (Loss Given Default, LGD)

Der Anteil am Exposure at Default (EAD), der bei einem Ausfall (Default) des Kreditnehmers tatsächlich als ökonomischer Verlust zu erwarten ist. Speziell die Verwertung etwaiger Sicherheiten trägt dazu bei, dass bei einem Ausfall der Verlust geringer sein kann als die bestehende Forderung. Auch andere Erlöse und Kosten sowie die zeitliche Verzögerung der Cash-Flows aufgrund des Ausfalls sind in den ökonomischen Verlust einzubeziehen. Besteht beispielsweise für eine Forderung über 10 Mio. € eine Sicherheit, die mit einem Jahr Verzögerung um 5,5 Mio. € verwertet werden kann (Annahme: der risikolose Zinssatz für dieses Jahr beträgt 10%), dann hat die Sicherheit zum Ausfallszeitpunkt einen Barwert von 5 Mio. €. Gibt es keine anderen Erlöse oder Kosten, so beträgt der Loss Given Default somit 50%.


Vertrag von Lissabon (EU-Grundlagenvertrag, Reformvertrag)

Am 13. Dezember 2007 in Lissabon unterzeichneter Vertrag zwischen den 27 Mitgliedstaaten (EU-27), der den am 29. Oktober 2004 in Rom unterzeichneten, aber letztlich nicht ratifizierten „Vertrag über eine Verfassung für Europa“ (VVE) ersetzen soll. Er wird die bestehenden völkerrechtlichen Vertragsgrundlagen des europäischen Integrationsverbandes (EG-Vertrag und EU-Vertrag) ändern. Insbesondere soll die Union eine einheitliche demokratische Struktur und Rechtspersönlichkeit erhalten und die Arbeitsweise der EU effizienter gestaltet werden. Der Vertrag befindet sich im Ratifikationsprozess.


Vertrag von Maastricht (Europäischer Unionsvertrag, EU-Vertrag, EUV)

Am 7. Februar 1992 in Maastricht unterzeichneter und am 1. November 1993 in Kraft getretener Vertrag zur Abänderung und Ergänzung des EG-Vertrags stellt eine neue Stufe bei der Verwirklichung der europäischen Integration dar, da er die Einleitung einer politischen Integration ermöglicht. Die mit diesem Vertrag geschaffene Europäische Union basiert auf drei Pfeilern, nämlich den Europäischen Gemeinschaften, der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) und der polizeilichen und justiziellen Zusammenarbeit in Strafsachen (JI). Der Vertrag begründete die Unionsbürgerschaft, stärkte die Rechte des Europäischen Parlaments und führte die Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) ein.


Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR)

Umfassende, systematische, quantitative Darstellung gesamtwirtschaftlicher Größen einer Volkswirtschaft. Die VGR liefert das für empirische Analysen gesamtwirtschaftlicher Fragen benötigte Datenmaterial. Im Mittelpunkt der VGR steht unter anderem die Berechnung des BIP nach Entstehung, Verteilung und Verwendung. Die Staaten der Europäischen Union gehen bei der Berechnung einheitlich nach dem ESVG 1995 (Europäisches System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen) vor. Damit sind Vergleiche zu anderen Volkswirtschaften möglich. Link: www.statistik.at


Wechselkursmechanismus ll (WKM ll)

Vereinbarung zur wechselkurspolitischen Zusammenarbeit zwischen den Ländern des Euroraums und den EU-Mitgliedstaaten, die den Euro einführen wollen; konkret die Festlegung eines Leitkurses zum Euro und des zulässigen Schwankungsbereichs der jeweiligen Landeswährungen zu diesem Leitkurs. Maximal dürfen die Kurse um ±15% gegenüber dem Leitkurs schwanken, es können aber auch engere Schwankungsbreiten festgelegt werden. Auf diese Weise soll eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik unterstützt und eine spätere Einführung des Euro in diesen Ländern erleichtert werden. Die Stabilität des Wechselkurses ist – neben der Preisstabilität, der Stabilität der öffentlichen Finanzen und der Stabilität des langfristigen Zinssatzes – Bestandteil der sogenannten Konvergenzkriterien.


Wiener Börse Aktiengesellschaft (WBAG)

Die Wiener Wertpapierbörse ist eine der ältesten Börsen der Welt und wurde 1771 von Kaiserin Maria Theresia gegründet. 1997 wurde der Wertpapiermarkt der Wiener Börsekammer mit dem Terminmarkt der Österreichischen Termin- und Optionenbörse (ÖTOB) zur neuen Wiener Börse AG verschmolzen. Die Wiener Börse ist eine Spezialbörse, die sich auf österreichische sowie zentral- und osteuropäische Veranlagungsformen spezialisiert hat. Link: www.wienerboerse.at


Wiener Börse Index (WBI)

Der WBI enthält alle österreichischen Aktien, die im amtlichen Handel und im geregelten Freiverkehr der Wiener Börse notieren. Er spiegelt als Gesamtmarktindex die Entwicklung des österreichischen Aktienmarktes wider. Die einzelnen Aktien sind entsprechend ihrer Marktkapitalisierung unterschiedlich gewichtet. Die Berechnung erfolgt einmal pro Tag nach Börseschluss. Der WBI wird in seiner bestehenden Form seit Jahresbeginn 1968 berechnet.


Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw)

1973 gegründetes, unabhängiges Wiener Forschungsinstitut, das sich auf die Region Zentral-, Ost- und Südosteuropa spezialisiert hat. Link: www.wiiw.ac.at.


WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung)

Erstellt wie das IHS und die OeNB regelmäßig Prognosen und wirtschaftswissenschaftliche Analysen. Link: http://www.wifo.ac.at/


Wirtschafts- und Finanzausschuss (WFA)

Dieses Gremium wurde mit Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) per 1. Januar 1999 durch Art. 114 EG-Vertrag anstelle des Währungsausschusses eingesetzt. Der WFA setzt sich aus jeweils zwei Vertretern jedes Mitgliedstaates (normalerweise des Finanzministeriums und der Zentralbank), zwei Vertretern der EZB und zwei Vertretern der Europäischen Kommission zusammen. Aufgaben des WFA sind vorrangig Berichts- und Beratungspflichten gegenüber dem Rat und der Kommission.


Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)

Prozess der Harmonisierung der Wirtschafts- und Währungspolitik der EU-Mitgliedstaaten, der letztlich mit der Einführung des Euro als gemeinsame Währung die logische Vollendung des Anfang 1993 verwirklichten EU-Binnenmarktes darstellte. Wie im Vertrag von Maastricht 1993 vertraglich fixiert, wurde die WWU in einem dreistufigen Prozess ab 1990 geschaffen: In Stufe I (1. Juli 1990 bis 31. Dezember 1993) erfolgte die Liberalisierung des Kapitalverkehrs zwischen den EU-Mitgliedstaaten (bis Ende 1991, Österreich: 4. November 1991), eine engere wirtschaftspolitische Abstimmung der Regierungen und eine verstärkte Zusammenarbeit der Zentralbanken. Stufe II (1. Januar 1994 bis 31. Dezember 1998) beinhaltete die Überprüfung der Konvergenz der Wirtschafts- und Währungspolitiken der EU-Staaten (Konvergenzkriterien, Ziele: Preisstabilität und Vermeidung übermäßiger öffentlicher Defizite), die Errichtung des Europäischen Währungsinstituts (EWI) 1. Januar 1994 und der EZB 1. Juni 1998. In Stufe III (seit 1. Januar 1999) startete die WWU; diese Stufe umfasste die unwiderrufliche Festlegung der Wechselkurse, die Einführung der einheitlichen Währung an den Devisenmärkten und im elektronischen Zahlungsverkehr, die Einführung des Euro-Bargelds in zunächst 11 Mitgliedstaaten und die einheitliche Geld- und Währungspolitik durch die EZB. Dem Euroraum gehören inzwischen 16 EU-Mitgliedstaaten an (Stand 1. Januar 2009).


WTO (World Trade Organization, Welthandelsorganisation)

Die in Genf (Schweiz) angesiedelte WTO engagiert sich in erster Linie für die Liberalisierung und Koordinierung des internationalen Handels. Mit der Gründung der WTO am 1. Januar 1995 wurde der GATT-Dialog institutionalisiert. Darüber hinaus decken die WTO-Vereinbarungen auch den Handel in Dienstleistungen und intellektuellem Eigentum ab (General Agreement on Trade in Services – GATS, Agreement on Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights – TRIPS). Die zweite Hauptaufgabe der WTO liegt in der Durchführung von Streitbeilegungsverfahren bei einem Rechtsbruch. Link: http://www.wto.org/


XETRA (Exchange Electronic Trading)

Handelssystem der Deutschen Börse; wird seit dem Jahr 2000 auch für den Kassahandel der Wiener Börse (WBAG) eingesetzt.


Zahlungssystemaufsicht (ZSA)

Ziel der bei der OeNB angesiedelten Zahlungssystemaufsicht ist es, das reibungslose Funktionieren der Zahlungssysteme sicherzustellen und dadurch die Finanzmarktstabilität zu fördern. Die Zahlungssystemaufsicht prüft die Systemsicherheit, d. h. den adäquaten Umgang mit rechtlichen, finanziellen, organisatorischen und technischen Risiken.