Basel II

Schwerpunkt für kleine und mittlere Unternehmen

Mit einem Anteil von über 99% an den österreichischen Unternehmen nehmen Klein- und Mittelunternehmen (KMUs) eine herausragende Bedeutung im Wirtschaftsgeschehen ein. Seit Beginn der Verhandlungen zu Basel II im Jahr 1999 setzt sich die Oesterreichische Nationalbank im Rahmen internationaler Kontakte und durch die Mitarbeit in entsprechenden Gremien in Basel und Brüssel besonders für kleine und mittlere Unternehmen ein. Bis heute konnten substantielle Verbesserungen für KMUs bei Basel II erreicht werden.

Basel II schafft faire Regeln für ein stabiles und sicheres Finanzsystem. Unternehmen erhalten durch die gleichwertige Anerkennung von internen Ratings zur Eigenmittelberechnung mit externen Ratings eine transparente, objektive Bewertung ihrer Firma. Für Unternehmen mit guter Bonität ist es in Zukunft noch leichter möglich, sich über Kredite zu finanzieren. Bei einer Bank mit internem Rating hat der Kreditnehmer die Möglichkeit, aktiv die Bonitätsbeurteilung zu beeinflussen.

 

Die bislang bedeutendste Erleichterung für Klein- und Mittelbetriebe ist die Möglichkeit, Kredite bis zur Höhe von 1 Mio. Euro gleich wie Privatkredite zu behandeln. Das Risikogewicht für diese Kredite wird von der Bank im sogenannten Standardansatz von 100% auf 75% gesenkt. Im Internen Rating-Ansatz (IRB) werden für Kredite an kleine und mittlere Unternehmen ebenfalls niedrigere Risikogewichte als für größere Unternehmen angesetzt. Für die Banken bedeutet das, dass sie für diese Unternehmen signifikant weniger Vorsorge in Form von Eigenmittel treffen müssen und diese damit aus Risikosicht eine günstige Forderungsklasse sind. Laut OeNB-Statistik liegen 90% aller KMU-Kredite unter 1 Mio. Euro und fallen damit in die Kategorie der begünstigten Privatkredite.

 

Bei der Retail-Begünstigung für Kredite unter 1 Mio. Euro wurde ursprünglich angedacht, diese Regelung nur anzuwenden, wenn die Kreditsumme des Privatkunden nicht mehr als 0,2% der Gesamtsumme aller Forderungen der Bank beträgt. Die absolute 0,2%-Grenze – auch Granularität genannt – ist mittlerweile gefallen. Es wird lediglich eine ausreichende Diversifizierung des Kreditportfolios einer Bank gefordert.

 

Aus Sicht der Banken stellen Kredite mit langer Laufzeit ein höheres Risiko dar als Kredite mit kurzer Laufzeit. Bei Basel II wird kein Unterschied mehr zwischen kurz- und langfristigen Krediten gemacht. Da sich kleine und mittlere Betriebe häufig langfristig finanzieren, ist dies ein klarer Vorteil für diese Gruppe.

 

Da die Eigenmittelanforderung an die Banken auch von den Sicherheiten der Kreditnehmer abhängt, ist die Erweiterung von anerkannten Sicherheiten im Rahmen von Basel II ein Vorteil für kleine und mittlere Unternehmen im Vergleich zu Basel I. So werden im Internen Rating-Ansatz auch Sicherheiten in Form von finanziellen Forderungen, Fahrzeugen und Rohstoffen anerkannt. Hypothekarisch besicherte Kredite werden bei Basel II bevorzugt, indem die Banken für diese Kredite weniger Vorsorge treffen müssen. Da Immobiliensicherheiten für kleine und mittlere Unternehmen die häufigste Sicherheit darstellen, kommt diese Regelung ihnen besonders zugute.